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Meine Zweite – Teil 2

die „Panorama 6×17 ‚K2‘ – Fujinon“ – Teil 2

Ich muss ehrlich gestehen, nachdem meine selbstverantwortete „K-2“ bei Testfilm Nummer eins mit einer desaströsen Generalprobe glänzte, war ich doch ein wenig verunsichert, ob ich mir in meinem Eifer nicht vielleicht ein wenig zu viel vorgenommen hatte. Eine Lochkamera zu basteln ist eine Geschichte, eine Kamera um ein gegebenes Objektiv und ein Wunschformat herum zu konstruieren schon eine ganz andere – besonders, wenn man, wie ich, etwas gehobenere Qualitätsansprüche an die Bildergebnisse stellt.

Zur Erinnerung: die ersten 4 Bilder verblüfften den Konstrukteur durch das Vorhandensein multipler Bildfehler. Trotz aller handwerklichen Sorgfalt hatte sich eine, in der Laufnut des Schiebers befindliche, Haarfuge in die Konstruktion eingeschlichen, für fatales Fremdlicht gesorgt und ein interessantes, jedoch höchst unerwünschtes Zebramuster auf dem Filmstreifen produziert. Bild 1 – eigenartigerweise nicht fremdlichtbetroffen – war generell etwas weich und unscharf, was auf einen Fehlfokus deuten ließ und die eigenartige Verzeichnung in der rechten oberen Bildecke konnte ich mir nur durch mangelnde Planlage des Filmstreifens erklären. Schließlich steht der Florian (der Dortmunder Fernsehturm, Anm. d. Autors) an der linken Bildkante ja schön senkrecht, wie man das bei einem waschechten Westfalen auch erwarten darf.

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Bild 1/ Film 1 – Grundlage einiger Stunden an Nacharbeit…

Das wirkte erstmal alles sehr komplex und entmutigend und fast hätte ich auch ein wenig die Lust am Gesamtprojekt verloren, weil direkt gleich mal mehrere Schwierigkeiten, die es zu lösen galt auf mich eintrudelten. Wenn’s kommt, dann kommt’s halt knüppeldicke, aber wenn man im Handwerk eines lernt, dann das, dass Aufgeben generell keine Option ist und dass es im Endeffekt für jedes Problem auch eine irgendwie geartete Lösung gibt. Klingt pathosbeladen, ist aber so. Ein „ich glaube, das ist mir hier ne Nummer zu groß“ akzeptieren weder Architekt, noch Kunde, noch Brötchengeber. Das lernt man schon als junger Geselle, wächst mit seinen Aufgaben – sollte man zumindest, wenn man sein Gewerk wirklich ernst nimmt – und am Ende muss immer ein Ergebnis stehen – notfalls auch die B-Lösung. Also: beißen und – herrgottnochmal – logisch denken!

Meine bevorzugte Strategie in solchen hoffnungslos scheinenden Situationen ist, dass ich das Ganze dann nicht als Problem, sondern als Herausforderung sehe. Und was macht der Meister, wenn er vor einem schier unlösbaren Pro  vor einer großen Herausforderung steht und gleichzeitig aber auf der großen Bühne sein Gesicht wahren muss? Genau! Er fegt erstmal die Bude! Fegen ist ein Automatismus, bei dem man sich herrlich Zeit zum Nachdenken verschaffen kann. Man wirkt ungemein geschäftig, brütet aber insgeheim mit Hochdruck über etwas ganz anderem. Die Außenwirkung strahlt Dynamik aus, aber eines gewiss nicht: Verzweiflung – wichtig für die Moral der Truppe und natürlich für die eigene (ich plaudere hier gerade schamlos aus dem Nähkasten, Leute!).

Problem  Herausforderung Nr. 1, das Thema Fehlfokus, konnten durch rhythmisches Werkstattfegen und etwas Logik zügig bewältigt werden. Dass das Abbild auf der Mattscheibe gestochen scharf war, auf der späteren Aufnahme hingegen butterweich, konnte nur bedeuten, dass Mattscheibe und Filmebene nicht synchron lagen. Eine sofort eingeleitete Prüfung ergab, dass ich im Fertigstellungseifer die Mattscheibe schlicht verkehrt herum eingebaut hatte. Die mattierte Fläche gehörte eindeutig nach innen – Momente der Erkenntnis, in denen man sich selbst am liebsten kraftvoll auf die Schulter klopfen möchte…

Trotzdem verblüffend, was 1,5 mm für einen Unterschied ausmachen. Das Großformat zeigt sich hier unbarmherzig – Pfusch am Bau wird sofort gnadenlos aufgedeckt.

Bild 1/ Film 2

Bild 1/ Film 2


Bild 2/ Film 2

Bild 2/ Film 2


Bild 3/ Film 2

Bild 3/ Film 2


Bild 4/ Film 2

Bild 4/ Film 2

Bildschärfe, Planlage, Lichtdichtigkeit – so langsam kommen wir ins Geschäft! Die vier Aufnahmen der zweiten Testrolle wurden jeweils mit Blende 8 und 22 gemacht, ohne dabei die Entfernungseinstellung zu verändern. Beim ersten Bildpaar hatte ich den Fokus auf den Geländerpfosten im Vordergrund gelegt (Distanz ca. 2 m), beim zweiten Pärchen auf den Schriftzug auf dem Asphalt (Distanz ca. 3 m). Läuft!

 

Bei den nun noch verbliebenen Problemen, Lichtleck und Planlage, war durch Werkstattfegen alleine nichts zu reißen. Ich gebe zu, dass ich darüber erstmal ’ne Nacht schlafen musste. Zwischen Schieber und Filmebene war schlicht zu wenig Bauraum für einen Niederhalter. An eine komplette Neukonstruktion der Magazine war nicht zu denken, weil eine Verlagerung der Filmebene nach hinten, um Platz zu schaffen, zwangsläufig auch ein Versetzen der Optik mit sich gezogen hätte. Außerdem war für meinen Geschmack schon viel zu viel Arbeit in die beiden Teile geflossen, als dass ich sie komplett hätte aufgeben wollen. Teufelskreis! Schieber weiter nach vorn? Ging auch nicht, da war schon das Kameragehäuse. Hier war genauso wenig Platz und mir dämmerte die Erkenntnis, wieder einmal viel zu eng gebaut zu haben. Gedankengänge, die sich festfahren. Zum Verzweifeln das Ganze!

Wann und woher am nächsten Morgen der rettende Gedanke kam, möchte ich hier vor Publikum nicht weiter ausführen, aber manchmal muss man einfach mal quer denken. Ein Blick auf das mehrlagige (!) Toilettenpapier an der Wand stimmte mich nachdenklich. Nur mal so ins Unreine gedacht: was wäre, wenn der Schieber gleichzeitig auch der Niederhalter für den Film wäre? Dann könnte der Niederhalter ja gleichzeitig vielleicht die Funktion der Maske für das Wunschformat übernehmen?! So entwickelte sich peu á peu die vage Idee des zweilagigen Multifunktionsschiebers und die Gesamtkonstruktion schien gerettet.

Halleluja!

 

Filmmagazin

Innenansicht eines Filmmagazins – davor die beiden Hälften des Schiebers

Aus einem vormals 2mm dicken Schichtstoff sollten nun also zwei gegeneinander verschiebbare 1mm dicke Schichten werden. Doch welches Material wäre bei einer Materialstärke von maximal einem Millimeter stabil genug, um als Niederhalter den Film niederhalten zu können? Was anderes als Edelstahlblech kam mir dafür spontan nicht in den Sinn. Die Rettung kam in Form einer alten Dunstabzugshaube. Deren Blechstärke erwies sich als ideal und war auch mit Stichsäge und Feile in erträglichem Aufwand in Form zu bringen und so habe ich nun mit der Änderung eines Bauteils gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen können.

„Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann!“  – Francis Picabia – Schriftsteller, Maler

„Der Kopf ist nicht zum Kacken da!“  – Klaus Dieter A. – Tischlermeister, Innungsobermeister

„Sauna fertig, Meister!“ – Thomas Freitag – Kabarettist (aus: Polen am Bau)

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So, jetzt aber genug der Selbstbeweihräucherung und der langen Texte! Wie beschrieben stand ich in der Bauphase ein ums andere mal der Panik und das Projekt einem sudden death bedrohlich nah, deswegen sprechen ab jetzt hoffentlich nur noch die Bilder! Zurück zur Kernkompetenz also…

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Meine Zweite!

die „Panorama 6×17 ‚K2‘ – Fujinon“ – Teil 1

Mittlerweile existiert bereits die zweite funktionsfähige Kamera aus heimischer Produktion – während der Bauphase von mir liebevoll „The Thing“ genannt. Wenn es jedoch nach dem Nomenklaturdiktat meines wertgeschätzten Kollegen und Freundes Professor F. Gustrau ginge, müsste ich sie eigentlich „K-2“ taufen. Nun, so sei es also…

 

K-2

on location – „first light“ für die K-2

 

Irgendwie muss ich wohl Blut geleckt haben, was das Selberbauen von „photographischen Apparaturen“ angeht. A) macht mir das Austüfteln von technischen Lösungen Spaß, B) ist das Erfolgserlebnis, wenn etwas wie geplant funktioniert, außerordentlich befriedigend und C) pegeln sich meine Ausgaben für sonstiges Kameraequipment gerade auf einen äußerst vernünftigen Level ein. Man ist ja anderweitig sinnvoll beschäftigt.
Dass auf meine Pinhole-Panoramakamera Josef K. irgendwann auch mal eine Version mit Objektiv folgen würde, war mir schon recht schnell nach deren Fertigstellung klar. Alle Unsicherheiten waren mittlerweile verflogen, ob ein derartiges Projekt für mich mit den Mitteln des Holzbaus überhaupt in der gebotenen Präzision umzusetzen sein würde. Mit einer Lochkamera zu beginnen war daher eine gute Übung, bei der ich viele wertvolle Erfahrungen sammeln konnte. Außerdem verzeiht das Lochkameraprinzip auch mal die eine oder andere kleine Unsauberkeit – außer vielleicht in puncto Lichtdichtigkeit. So blieb mir einiges an Frust und Irrwegen erspart und durch den Erfolg fühlte ich mich nun also bereit für die nächste Stufe der Erkenntnis. Diesmal sollte es auf jeden Fall ein Linsengericht geben und – um es vorweg zu nehmen – es hat noch nicht alles so funktioniert, wie ich es mir erhofft hatte! Bei einer Kamera mit optischem System gelangen wir doch schon in ganz andere bastlerische Sphären als mit einer Lochkamera. Salopp gesagt hobeln wir hier schon ein ganz anderes Brett und verabschieden uns an dieser Stelle auch offiziell von dem Begriff des ‚Bastelns‘. Die Fehlertoleranz geht Richtung Null und ein wenig Fehleranalyse und etwas Nacharbeit werden mir wohl bei meinem Erstlingswerk nicht erspart bleiben. Doch davon später noch ausführlicher.

 

K-2

„the thing“

 

Die Idee, es mal mit einem Großformatobjektiv auszuprobieren, hat sich letztlich als Königsweg erwiesen: Blenden- und Verschlusszeitensteuerung inklusive B und T, Drahtauslöseranschluss und nicht zuletzt der enorme Bildkreis bei gleichzeitig noch moderatem Auflagemaß machten das Fujinon NSW 90mm f/8 EBC zur idealen Ergänzung. Alle erforderlichen Daten zu alten Großformatobjektiven lassen sich problemlos im Netz beschaffen – alles in allem also perfekte Startbedingungen! Einzig mit der Umsetzung der Fokussiermechanik hatte ich dann zwischenzeitlich die ein oder andere Nuss zu knacken. Die Fokussierung wird nämlich nicht, wie zum Beispiel bei Kleinbild, durch Drehen am Objektiv gesteuert, sondern die gesamte Optik muss zum Scharfstellen vor und zurück geschoben werden. Ganz ursprünglich war, um die Konstruktion so einfach wie möglich zu halten, deswegen mal eine Fixfokusversion geplant, bei der ich das Objektiv fest in einer plausibel klingenden Hyperfokaldistanz fixiert hätte. Irgendwie scharf von 2m bis Unendlich bei Blende X und ich wäre schon happy gewesen. Ein befreundeter Großbildfotograf (lieben Gruß am Ralf) hat mich dann aber doch recht schnell davon überzeugen können, dass so eine Lösung nix Halbes und schon gar nix Ganzes ist und so musste ich mir mitten in der heißesten Bauphase noch eine praktikable Lösung überlegen, die Optik kontrolliert und ruckelfrei vor- und zurückbewegen zu können (bei gleichzeitiger Einhaltung der Planlage zur Filmebene selbstverständlich).

 

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Detailansicht des Fokushebels

 

Ein improvisierter Kasten mit Butterbrotpapier als Mattscheibenersatz brachte die Erkenntnis, dass der Verstellweg von Unendlich bis in den Nahbereich bei meinem Objektiv bei lediglich 2 cm liegen würde. Das war bedeutend harmloser als ich in meiner Unwissenheit angenommen hatte und eine technische Lösung schien somit möglich.
Einen Balgen selbst zu fertigen, kam für mich erstmal nicht in Frage, weil ich das ganze Unterfangen nicht zu einem Mondlandungsprojekt ausarten lassen wollte.
Fertigkonfektionierte Balgenauszüge waren wegen des exotischen Panoramaformats adhoc nicht in den erforderlichen Abmessungen zu bekommen und eine Tilt-Funktion (also die Möglichkeit des Verschwenkens) war eh nie geplant. Die Option, vertikal shiften zu können, sollte für eine Landschaftskamera erstmal völlig genügen. Außerdem machte die Fokussierung ja schon zwingend die Fertigung einer Einstellmattscheibe erforderlich – man will ja schließlich auch live sehen, auf wen und was man da gerade überhaupt scharfstellt. Noch ein Problem mehr, das es zu lösen galt aber auch das Mattieren von Glas erwies sich am Ende als banaler als erwartet: einen Glasschneider, etwas Siliziumkarbidpulver Körnung 400 vom Steinmetz und einen Billigbilderhalter für 3.98 € aus dem Baumarkt – et voilá – mehr braucht es nicht und die „Mühe“ wird mit einer preiswerten aber dennoch vorzüglichen Mattscheibe belohnt. Hier leistet sich das Fujinon dann auch seine einzige nennenswerte Schwäche: die recht geringe Anfangsöffnung von Blende 8 sorgt für ein ziemlich düsteres Sucherbild. Da wird in der Praxis wohl ohne das klassische schwarze Einstelltuch überm Kopf wenig bis gar nichts gehen – also ein weiterer Schritt mehr zurück in die Anfangstage der Lichtbildnerei 😉
An diese Ära erinnert natürlich auch grundsätzlich das Arbeiten mit dieser speziellen Apparatur. Dass wir es hier mit dem exakten Gegenteil einer robusten Actionkamera zu tun haben und dass es bei plötzlich einsetzendem Regen vermutlich zu panikartigen Übersprungshandlungen des Maschinisten kommen wird, versteht sich wohl von selbst. Es war aber auch nie erklärtes Ziel des Projekts, etwas wie „High-End“ zu erreichen. Ich wollte vielmehr ein Instrument erschaffen, das meiner persönlichen Arbeitsweise entgegen kommt. Das Erarbeiten des Motivs (Stichwort: Prävisualisierung), das Ritual des Aufbauens, Einstellens und der Feinjustierung (an Knöpfchen drehen, an Hebelchen schieben) und letztendlich die Reduktion auf das Essentielle in der Fotografie waren mir Hauptmotive für den Bau der „K-2“ Und somit gibt es an ihr letztenendes auch keinen überflüssigen Schnickschnack. Verzichtbar gewesen wären allenfalls noch die Wasserwaage, die Shiftfunktion und im äußersten Fall die Mattscheibe. Alles andere lässt sich auf die grundlegenden Notwendigkeiten der Bilderzeugung zurückführen.

 

K-2

Mattscheibe (links) und K-2 mit angesetztem Rollfilmmagazin

 

Vorausschauenderweise hatte ich die „K-2“ von Anfang an als Modulbauweise mit der Möglichkeit, Wechselmagazine zu betreiben, konzipiert. So lassen sich die Dinge notfalls ändern, sollte sich mal etwas in der Praxis nicht bewähren oder wenn es darum geht, im Falle eines Falles ein defektes Bauteil tauschen zu müssen. Ein Totalversagen war somit ausgeschlossen. Das Filmmagazin gegen einen Rahmen mit Mattscheibe auszutauschen war also konstruktiv auch kein Problem. Somit ist das Ergebnis am Ende doch eine ganz runde Sache geworden. Eine Naheinstellgrenze von einem guten halben Meter soll fürs Erste mal genügen und ich kann für die Fototour bequem zuhause zwei Magazine für insgesamt 8 Aufnahmen vorbereiten, ohne dann mittendrin auf freiem Felde die Filmrolle wechseln zu müssen. Da ich das Arbeiten mit dieser Kamera – wie oben schon angedeutet – als eher „methodisch/ bedacht“ bezeichnen würde, sollte das für einen ausgedehnten Arbeitstag absolut ausreichend sein. Ein Mix aus SW- und Farbfilm ist natürlich auch denkbar – Magazine mit lichtdichten Schiebern sei Dank!

Die ersten Ergebnisse auf Ilford FP4+ zeigen sich schon mal recht vielversprechend, wenngleich es scheinbar noch irgendwo ein Lichtleck der exotischen Art zu geben scheint. Das bei Ebay gebraucht geschossene Fujinon NSW 90mm f/8 mit seiner EBC-Vergütung scheint zumindest ein guter Fang zu sein. Mit seinem Gebrauchtpreis von etwas mehr als 200 € würde ich es angesichts seiner optischen Leistung durchaus noch als Schnäppchen bezeichnen. Ein Glücksgriff für den unbedarften Neuling also.

 

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Kategorie: Bildfehler, die die Welt nicht braucht…

 

Wegen des Lichtlecks sind die Bilder 2 bis 4 der ersten Filmrolle leider nicht wirklich vorzeigbar. Ich tippe auf eine Haarfuge am Schieber, durch die sich Licht einschummelt und das Zebramuster entsteht wahrscheinlich beim Weiterkurbeln mit der Transportschraube: drehen – umgreifen, drehen – umgreifen, usw. Dafür keimt bei Bild 1 Hoffnung für die Zukunft auf. Komischerweise kam dieses fehlerfrei aus dem Entwickler und das Lichtleck macht sich hier überhaupt nicht bemerkbar!? Rätselhaft. Der Sache muss ich jedenfalls nochmal genauer auf den Grund gehen.

 

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„far away from perfect“ aber Hoffnungsträger für die Zukunft – das absolut allererste (und bis dato einzige) Bild der „K-2“

 

Die einzige gelungene Aufnahme der ersten Rolle reißt einen zwar auch noch nicht komplett vom Stuhl, aber eine 1:1-Reproduktion mit einem Makroobjektiv offenbart zumindest ansatzweise das zu vermutende Potenzial der Optik und des großen Negativs. Hierbei lässt sich schon mal erahnen, warum Wim Wenders nicht davor zurückschreckt, seine Mittelformat-Panoramen in einer Größe von 1,7 mal 4 Metern zu präsentieren.

 

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Hier fehlt es eindeutig noch an Grundschärfe. Eine Ursache liegt wahrscheinlich darin, dass ich Testaufnahme 1 bei Offenblende (f/8) durchgeführt habe und dass das Auflagemaß der Optik noch nicht hundertprozentig stimmt. Da muss ich wohl noch einmal den Messschieber ansetzen und prüfen, ob Mattscheiben- und Filmebene synchronisiert sind. Ein Problem der komplexeren Art ist dagegen die tonnenförmige Verzeichnung, die man rechts an der Gasometer-Hülle erkennen kann. Ich fürchte, hier liegt der Fehler weniger bei einer schlechten Optik sondern vielmehr an mangelnder Planlage des Filmstreifens. Wie ich das Problem lösen werde, ist mir momentan noch nicht ganz klar, aber wenn ich eine Disziplin beherrsche, dann die, dass ich mich an einem „Problem“ so richtig festbeißen kann. 😉

Wie dem auch sei, durch die Eigenleistung des Bauens und dem konsequenten Einsatz von Holzresten und preiswerten Aluminiumprofilen aus dem Baumarkt konnte ich die Materialkosten (inklusive Optik!) deutlich unter 350 € halten. Soviel würde ein 3D-Druckdienstleister im Übrigen schon alleine für ein Wechselmagazin aus ABS-Kunststoff verlangen, ein fertiges Filmmagazin aus China schlüge mit ca. 600 € zu Buche und mit einem vergleichbaren Komplett-Set von Linhof lägen wir dann schon vermutlich deutlich in einer 5stelligen Preiskategorie. Da such‘ ich doch gerne mal einen Abend lang nach dem Lichtleck. Außerdem war durch „low budget“ am Ende noch ausreichend Luft für ein paar Rollen Film und ein adäquates, sicheres Heim für die neue Schöne:

 

K-2

ready to go…

Konstruktive Merkmale

– Speziell auf die Landschaftsfotografie im Querformat abgestimmte Panoramakamera
– Modulbauweise ermöglicht den Austausch der Einstellmattscheibe gegen vorgeladene Filmmagazine
– Effektives Bildformat 6×17 cm auf Rollfilm 120, 4 Aufnahmen pro Filmrolle
– Gehäuse: Aluminiumchassis mit Anbauteilen aus geräuchertem, geöltem Eichenholz und schwarz durchgefärbter MDF
– Objektiv: Großformatobjektiv Fujinon NSW 90mm f/8 EBC mit Copal #0-Verschluss
– Brennweitenäquivalent (hor.): 21,5mm KB
– Fokus: Schubkastenprinzip, Verstellweg zwischen den Totpunkten ca. 20 mm
– Shift: vertikal +/- 12,5 mm
– Nivellierlibelle
– Manfrotto-Schnellwechselplatte für Getriebeneiger
– Drahtauslöser, feststellbar
– Verschlusszeitenbereich: 1 – 1/500 s, B und T
– Blendenbereich: f/8 – 45
– Naheinstellgrenze: ca. 50 cm
– Abmessungen (H/B/T): 178/297/138 mm
– Gewicht: 2.150 g (Gehäuse inkl. Objektiv und Filmmagazin
– Gewicht komplett: 11.950 g (tourfertig inkl. Stativ, Getriebeneiger, 2 Magazinen und Hardcase)
– Bauzeit: bis dato ca. 80 Stunden (exkl. Planungszeit und Fehlerbehebung)

 

Teil 2 folgt in Kürze…

 

 

 

Meine erste Selbstgebaute…

Meine erste Selbstgebaute…

…oder: warum tue ich mir das an, wo es doch soviel tolles Kameragedöne zu kaufen gibt?

 

Entwurf A

Erster Grobentwurf

Meine Rückbesinnung auf die analoge Langsamkeit treibt gerade recht seltsame Blüten. War die Fotografie für mich bis Dato in erster Linie Entspannung und willkommener Contrapunkt zum Berufsalltag, versuche ich seit einiger Zeit beides – Passion und Profession – miteinander zu verbinden und quasi in eine Art harmonische Balance zu bringen. Heißt mit anderen Worten: ich baue mir gerade meine Kameras selbst!

Die persönlichen Gründe dafür sind vielfältig: rapide nachlassende Technikeuphorie, die oftmals vorhandene Sterilität und Seelenlosigkeit digitaler Bilder aber auch die inflationäre Zunahme virtueller Realitäten und Sensationslandschaften – rechnergenerierte Hochdynamik, technisch machbar aber unrealistisch hoch 10: „Woah! Nächstes. Woah! Nächstes…!“ Endlosschleife. Ein einziges Sich-gegenseitig-übertreffen-wollen. Das nervt auf Dauer und man verlernt vor lauter Scrollen das Verweilen, ein Bild zu genießen, oder sich ernsthaft mit ihm auseinanderzusetzen.

 

Entwurf A

Die rückwärtige Ansicht im geschlossenen Zustand

Entwurf A

Die rückwärtige Ansicht mit geöffnetem Filmfach

 

Ein Hauptgrund aber liegt wahrscheinlich darin, dass ich einfach irgendwann einmal aus dieser unsäglichen Kauf- und Nachkaufspirale ausbrechen musste. Machen wir uns doch mal nix vor: der Gegenwert für unser sauer verdientes Geld ist doch in aller Regel ein kurzlebiger, von asiatischen Industrierobotern zusammengelöteter und ausgestanzter Plastikschrott. Überteuert, marketinggehyped und schon am Tag der Markteinführung veraltet, weil die Pläne für das Nachfolgemodell (das, mit den noch viel tolleren Features natürlich) bereits im Firmentresor liegen. Feines Werkzeug, das einem mit den Jahren in die Hand wächst? Präzise, robuste Mechanik (!), edle Haptik? Lange und ruhig dahinfließende Produktzyklen? Gibt’s mit Sicherheit noch irgendwo, aber dann in Preiskategorien, bei denen ich über „Haben-wollen“ gar nicht weiter nachzudenken brauche. Sinnlichkeit, Amore, lang anhaltende Begeisterung? Wofür denn? Duroplaste? Thermoplaste? Schaltkreise? Blingbling-Displays?

Früher waren Kameras, Objektive, etc. mal Instrumente, die man mit einiger Gewissheit und entsprechender Pflege mindestens noch seiner Nachfolgegeneration vermachen konnte und das nicht zwangsläufig nur im obersten Preissegment. Nachhaltigkeit und Wertigkeit, davon rede ich. Ob meine Tochter nach meinem Ableben mit meiner EOS 6D noch munter weiterfotografieren wird, wage ich nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Mikroelektronik im Allgemeinen mal leise anzuzweifeln. Wahrscheinlicher ist, dass die Kunststoffe bis dahin schon lange mürbe geworden sind oder irgendwann mittendrin von jetzt auf gleich das Motherboard abraucht. Ob ihr das im Jahre des Herrn 2045 wohl noch jemand reparieren wird, schließlich ist es doch eine Erinnerung an den Herrn Papa? Wohl kaum…

 

Detail Filmtransport

Detail der Filmtransportschraube

Verschluss

Der Verschlussschieber Marke „Guillotine“ in Aktion

Verschluss

Innenansicht des Verschlusses

 

Abgesehen davon, wie kam es denn nun also zum DIY-Projekt? Nun, eigentlich gab es zwei initiale Auslöser: zum Ersten war da der höchst unterhaltsame Artikel des Fotografen Ralf Sänger in der SCHWARZ-WEISS-Ausgabe Nr 101 , in dem er über seine Faszination des Lochkamerabauens und der Wiederentdeckung der Langsamkeit in der Fotografie berichtet. Abkehr vom Perfektionswahn und meditative Entspannung – zwei Kernthesen des Artikels, die mich hellhörig werden ließen. Ein sehr überraschender Paradigmenwechsel eines ausgewiesenermaßen technisch höchst versierten und anspruchsvollen Analogexperten, wie ich fand. Mittlerweile kennen wir uns persönlich, habe mehr über seine Beweggründe erfahren dürfen und wir stehen seither im regen, freundschaftlichen Austausch.

Auslöser zwo war wohl der sehenswerte Filmbericht „Koudelka shooting Holy Land“ in dem Magnum-Ikone Josef Koudelka bei seiner fotografischen Arbeit an der israelisch/ palästinensischen Grenzmauer begleitet wird. Koudelka nutzte für sein Projekt „Wall“ gleich mehrere Panoramakameras vom Typ Fuji GX617. Dessen extremes Panoramaformat und die Kraft seiner Bildwirkung gefielen mir auf Anhieb so gut, dass ich mich umgehend auf die Suche nach diesem Kameramodell machte. Die Ernüchterung folgte auf dem Fuße: wenn überhaupt zu bekommen, liegen die Preise für gut erhaltene Exemplare eindeutig weit über meinem Budget. Die Suche nach Alternativen gipfelte dann irgendwann bei der Linhof Technorama 617, die allem Anschein nach sogar heute noch produziert wird. Hier würde dann wohl auch die oben beschworene Nachhaltigkeit und der Wunsch nach feinem Werkzeug aufs Vortrefflichste bedient. Heureka! Einziges Problem: ich bin weder Zahnarzt noch Rechtsanwalt. Für den Hobbyisten ist eine Investition von >10K € in einen derart speziellen Kameratypen einfach nicht zu rechtfertigen. Abbruch der Recherche!

Das Fazit: Koudelka zeigte mir, dass auch nach der Rente mit 70 ein erfülltes Fotografendasein möglich ist, aber um irgendwie zum Ziel zu kommen, führte am Selberbauen offenbar kein Weg vorbei und wie sich am Ende herausgestellt hat, ist es auch – zumindest im Bereich der filmbasierten Fotografie – kein Hexenwerk! Man sollte sich nur bewusst machen, wie wenig Technik es braucht, um ein fotografisches Bild zu erzeugen.

Das bildliche Ergebnis lässt sich dann mit Fug und Recht auf die handwerklichen Fähigkeiten des Fotografen (und des Kamerabauers) zurückführen.

 

Meine Erste  (Werksbezeichnung: „Panorama 6×17 – Edition Josef K.“):

Datei 18.06.17, 19 12 13

Und hier „on location“:

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Das Prinzip der Lochbildkamera hatte mich schon länger interessiert, jedoch ist bei den in Bastlerkreisen sonst so beliebten Streichholzschachtel- oder Reisekoffervarianten nie so recht der Funke auf mich übergesprungen. Ich hatte vielmehr den Anspruch, ein funktionierendes Werkzeug zu konstruieren, das auch meinen fotografischen Ansprüchen genügt und das habe ich eigentlich immer automatisch mit anspruchsvoller Feinmechanik und hoher Ingenieurskunst verbunden. Dass mein Beruf durchaus genauso die Grundvoraussetzungen bietet, ein derartiges Projekt erfolgreich umzusetzen, habe ich erst realisiert, als ich davon las, dass es Tischler waren, die in der Pionierphase der Fotografie für die Herstellung der erforderlichen Apparaturen verantwortlich zeichneten. Das hatte Charme und seitdem nimmt die Sache Fahrt auf…

 

Technische Daten der „Panorama 6×17 – Edition Josef K.“:

Prinzip: Lochkamera mit planliegender Filmebene für 120er Rollfilm

Bildformat: 6x17cm

4 mögliche Aufnahmen pro Einwegsensor

Bildwinkel: ca. 104° (Horizontal – entspricht dem Blickwinkel eines 14mm Objektivs an KB)

Bildweite: 66,5mm

Lochgröße: 0,3 mm (Skink Pinhole Classic Starter Kit f. Nikon F – modifiziert für übergroße Bildwinkel)

Fixfokus

errechnete Blende: f/218

Filtergewinde: 67mm

Korpus: Nussbaum/ schwarz durchgefärbtes MDF

Sucher: sucht man vergeblich (Peilmarken auf Gehäusedeckel müssen reichen, schließlich entsteht das Bild ja im Kopf)

Filmtransport: manuell

Filmstandsanzeiger: Schauglas

virtueller Horizont: Wasserwaage, analog

Verschluss: horizontal laufende Holzlamelle (Typ: Guillotine)

Stativanschluss: Manfrotto Schnellwechselplatte für Getriebeneiger MA 410

Hitech Formatt Filtersystem 100 adaptierbar

Gewicht (aufnahmebereit): 450 g

Bauzeit: ca. 50 Stunden (inkl. aller Irrungen und Wirrungen)

 

Dass man mit ihr auch ernsthaft fotografieren kann und die Bildergebnisse trotz Absenz aller erdenklichen Assistenzsysteme sogar verblüffend gut werden, beweisen die nachfolgenden Fotos der ersten Testrollen Tri-X, die ich entspannt bei einer Kanne Kaffee in Caffenol entwickelt habe:

 

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Borkum 8

 

 

Borkum 6

 

 

Borkum 11

 

 

Borkum 5

 

 

Nachsatz

Die Fotografie ist eine Passion, der man auf unterschiedlichste Art und Weise nachgehen kann. Jeder, wie er mag – sag ich bei mir. Auch kann beides, die Digitalfotografie und die filmbasierte, klassische Fotografie problemlos nebeneinander existieren. Beide haben ihre ureigenen Charakteristika, es gibt kein kategorisches Entweder-oder. Man kombiniere einfach das Beste aus beiden Welten. Eigentlich trage ich damit ja Eulen nach Athen, aber die Häufigkeit, in der ich mit einem gewissen skeptischen Unterton darauf angesprochen worden bin, ob ich ab jetzt „nur“ noch analog fotografiere, veranlasst mich, das noch einmal zu betonen. Ich habe der Digitalen Fotografie nicht abgeschworen – bin ja nicht komplett aus der Zeit gefallen. Aber wenn es um den meditativen Aspekt, den Emotionstransfer oder nur darum geht, mir die grundlegenden fotografischen Prinzipien bewusst zu machen, ist die analoge Basisarbeit und das Erlernen der traditionellen Techniken für mich das Mittel der Wahl.“

Darauf erstmal ein‘ Korn!