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Meine Zweite – Teil 2

die „Panorama 6×17 ‚K2‘ – Fujinon“ – Teil 2

Ich muss ehrlich gestehen, nachdem meine selbstverantwortete „K-2“ bei Testfilm Nummer eins mit einer desaströsen Generalprobe glänzte, war ich doch ein wenig verunsichert, ob ich mir in meinem Eifer nicht vielleicht ein wenig zu viel vorgenommen hatte. Eine Lochkamera zu basteln ist eine Geschichte, eine Kamera um ein gegebenes Objektiv und ein Wunschformat herum zu konstruieren schon eine ganz andere – besonders, wenn man, wie ich, etwas gehobenere Qualitätsansprüche an die Bildergebnisse stellt.

Zur Erinnerung: die ersten 4 Bilder verblüfften den Konstrukteur durch das Vorhandensein multipler Bildfehler. Trotz aller handwerklichen Sorgfalt hatte sich eine, in der Laufnut des Schiebers befindliche, Haarfuge in die Konstruktion eingeschlichen, für fatales Fremdlicht gesorgt und ein interessantes, jedoch höchst unerwünschtes Zebramuster auf dem Filmstreifen produziert. Bild 1 – eigenartigerweise nicht fremdlichtbetroffen – war generell etwas weich und unscharf, was auf einen Fehlfokus deuten ließ und die eigenartige Verzeichnung in der rechten oberen Bildecke konnte ich mir nur durch mangelnde Planlage des Filmstreifens erklären. Schließlich steht der Florian (der Dortmunder Fernsehturm, Anm. d. Autors) an der linken Bildkante ja schön senkrecht, wie man das bei einem waschechten Westfalen auch erwarten darf.

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Bild 1/ Film 1 – Grundlage einiger Stunden an Nacharbeit…

Das wirkte erstmal alles sehr komplex und entmutigend und fast hätte ich auch ein wenig die Lust am Gesamtprojekt verloren, weil direkt gleich mal mehrere Schwierigkeiten, die es zu lösen galt auf mich eintrudelten. Wenn’s kommt, dann kommt’s halt knüppeldicke, aber wenn man im Handwerk eines lernt, dann das, dass Aufgeben generell keine Option ist und dass es im Endeffekt für jedes Problem auch eine irgendwie geartete Lösung gibt. Klingt pathosbeladen, ist aber so. Ein „ich glaube, das ist mir hier ne Nummer zu groß“ akzeptieren weder Architekt, noch Kunde, noch Brötchengeber. Das lernt man schon als junger Geselle, wächst mit seinen Aufgaben – sollte man zumindest, wenn man sein Gewerk wirklich ernst nimmt – und am Ende muss immer ein Ergebnis stehen – notfalls auch die B-Lösung. Also: beißen und – herrgottnochmal – logisch denken!

Meine bevorzugte Strategie in solchen hoffnungslos scheinenden Situationen ist, dass ich das Ganze dann nicht als Problem, sondern als Herausforderung sehe. Und was macht der Meister, wenn er vor einem schier unlösbaren Pro  vor einer großen Herausforderung steht und gleichzeitig aber auf der großen Bühne sein Gesicht wahren muss? Genau! Er fegt erstmal die Bude! Fegen ist ein Automatismus, bei dem man sich herrlich Zeit zum Nachdenken verschaffen kann. Man wirkt ungemein geschäftig, brütet aber insgeheim mit Hochdruck über etwas ganz anderem. Die Außenwirkung strahlt Dynamik aus, aber eines gewiss nicht: Verzweiflung – wichtig für die Moral der Truppe und natürlich für die eigene (ich plaudere hier gerade schamlos aus dem Nähkasten, Leute!).

Problem  Herausforderung Nr. 1, das Thema Fehlfokus, konnten durch rhythmisches Werkstattfegen und etwas Logik zügig bewältigt werden. Dass das Abbild auf der Mattscheibe gestochen scharf war, auf der späteren Aufnahme hingegen butterweich, konnte nur bedeuten, dass Mattscheibe und Filmebene nicht synchron lagen. Eine sofort eingeleitete Prüfung ergab, dass ich im Fertigstellungseifer die Mattscheibe schlicht verkehrt herum eingebaut hatte. Die mattierte Fläche gehörte eindeutig nach innen – Momente der Erkenntnis, in denen man sich selbst am liebsten kraftvoll auf die Schulter klopfen möchte…

Trotzdem verblüffend, was 1,5 mm für einen Unterschied ausmachen. Das Großformat zeigt sich hier unbarmherzig – Pfusch am Bau wird sofort gnadenlos aufgedeckt.

Bild 1/ Film 2

Bild 1/ Film 2


Bild 2/ Film 2

Bild 2/ Film 2


Bild 3/ Film 2

Bild 3/ Film 2


Bild 4/ Film 2

Bild 4/ Film 2

Bildschärfe, Planlage, Lichtdichtigkeit – so langsam kommen wir ins Geschäft! Die vier Aufnahmen der zweiten Testrolle wurden jeweils mit Blende 8 und 22 gemacht, ohne dabei die Entfernungseinstellung zu verändern. Beim ersten Bildpaar hatte ich den Fokus auf den Geländerpfosten im Vordergrund gelegt (Distanz ca. 2 m), beim zweiten Pärchen auf den Schriftzug auf dem Asphalt (Distanz ca. 3 m). Läuft!

 

Bei den nun noch verbliebenen Problemen, Lichtleck und Planlage, war durch Werkstattfegen alleine nichts zu reißen. Ich gebe zu, dass ich darüber erstmal ’ne Nacht schlafen musste. Zwischen Schieber und Filmebene war schlicht zu wenig Bauraum für einen Niederhalter. An eine komplette Neukonstruktion der Magazine war nicht zu denken, weil eine Verlagerung der Filmebene nach hinten, um Platz zu schaffen, zwangsläufig auch ein Versetzen der Optik mit sich gezogen hätte. Außerdem war für meinen Geschmack schon viel zu viel Arbeit in die beiden Teile geflossen, als dass ich sie komplett hätte aufgeben wollen. Teufelskreis! Schieber weiter nach vorn? Ging auch nicht, da war schon das Kameragehäuse. Hier war genauso wenig Platz und mir dämmerte die Erkenntnis, wieder einmal viel zu eng gebaut zu haben. Gedankengänge, die sich festfahren. Zum Verzweifeln das Ganze!

Wann und woher am nächsten Morgen der rettende Gedanke kam, möchte ich hier vor Publikum nicht weiter ausführen, aber manchmal muss man einfach mal quer denken. Ein Blick auf das mehrlagige (!) Toilettenpapier an der Wand stimmte mich nachdenklich. Nur mal so ins Unreine gedacht: was wäre, wenn der Schieber gleichzeitig auch der Niederhalter für den Film wäre? Dann könnte der Niederhalter ja gleichzeitig vielleicht die Funktion der Maske für das Wunschformat übernehmen?! So entwickelte sich peu á peu die vage Idee des zweilagigen Multifunktionsschiebers und die Gesamtkonstruktion schien gerettet.

Halleluja!

 

Filmmagazin

Innenansicht eines Filmmagazins – davor die beiden Hälften des Schiebers

Aus einem vormals 2mm dicken Schichtstoff sollten nun also zwei gegeneinander verschiebbare 1mm dicke Schichten werden. Doch welches Material wäre bei einer Materialstärke von maximal einem Millimeter stabil genug, um als Niederhalter den Film niederhalten zu können? Was anderes als Edelstahlblech kam mir dafür spontan nicht in den Sinn. Die Rettung kam in Form einer alten Dunstabzugshaube. Deren Blechstärke erwies sich als ideal und war auch mit Stichsäge und Feile in erträglichem Aufwand in Form zu bringen und so habe ich nun mit der Änderung eines Bauteils gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen können.

„Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann!“  – Francis Picabia – Schriftsteller, Maler

„Der Kopf ist nicht zum Kacken da!“  – Klaus Dieter A. – Tischlermeister, Innungsobermeister

„Sauna fertig, Meister!“ – Thomas Freitag – Kabarettist (aus: Polen am Bau)

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So, jetzt aber genug der Selbstbeweihräucherung und der langen Texte! Wie beschrieben stand ich in der Bauphase ein ums andere mal der Panik und das Projekt einem sudden death bedrohlich nah, deswegen sprechen ab jetzt hoffentlich nur noch die Bilder! Zurück zur Kernkompetenz also…

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Meine Zweite!

die „Panorama 6×17 ‚K2‘ – Fujinon“ – Teil 1

Mittlerweile existiert bereits die zweite funktionsfähige Kamera aus heimischer Produktion – während der Bauphase von mir liebevoll „The Thing“ genannt. Wenn es jedoch nach dem Nomenklaturdiktat meines wertgeschätzten Kollegen und Freundes Professor F. Gustrau ginge, müsste ich sie eigentlich „K-2“ taufen. Nun, so sei es also…

 

K-2

on location – „first light“ für die K-2

 

Irgendwie muss ich wohl Blut geleckt haben, was das Selberbauen von „photographischen Apparaturen“ angeht. A) macht mir das Austüfteln von technischen Lösungen Spaß, B) ist das Erfolgserlebnis, wenn etwas wie geplant funktioniert, außerordentlich befriedigend und C) pegeln sich meine Ausgaben für sonstiges Kameraequipment gerade auf einen äußerst vernünftigen Level ein. Man ist ja anderweitig sinnvoll beschäftigt.
Dass auf meine Pinhole-Panoramakamera Josef K. irgendwann auch mal eine Version mit Objektiv folgen würde, war mir schon recht schnell nach deren Fertigstellung klar. Alle Unsicherheiten waren mittlerweile verflogen, ob ein derartiges Projekt für mich mit den Mitteln des Holzbaus überhaupt in der gebotenen Präzision umzusetzen sein würde. Mit einer Lochkamera zu beginnen war daher eine gute Übung, bei der ich viele wertvolle Erfahrungen sammeln konnte. Außerdem verzeiht das Lochkameraprinzip auch mal die eine oder andere kleine Unsauberkeit – außer vielleicht in puncto Lichtdichtigkeit. So blieb mir einiges an Frust und Irrwegen erspart und durch den Erfolg fühlte ich mich nun also bereit für die nächste Stufe der Erkenntnis. Diesmal sollte es auf jeden Fall ein Linsengericht geben und – um es vorweg zu nehmen – es hat noch nicht alles so funktioniert, wie ich es mir erhofft hatte! Bei einer Kamera mit optischem System gelangen wir doch schon in ganz andere bastlerische Sphären als mit einer Lochkamera. Salopp gesagt hobeln wir hier schon ein ganz anderes Brett und verabschieden uns an dieser Stelle auch offiziell von dem Begriff des ‚Bastelns‘. Die Fehlertoleranz geht Richtung Null und ein wenig Fehleranalyse und etwas Nacharbeit werden mir wohl bei meinem Erstlingswerk nicht erspart bleiben. Doch davon später noch ausführlicher.

 

K-2

„the thing“

 

Die Idee, es mal mit einem Großformatobjektiv auszuprobieren, hat sich letztlich als Königsweg erwiesen: Blenden- und Verschlusszeitensteuerung inklusive B und T, Drahtauslöseranschluss und nicht zuletzt der enorme Bildkreis bei gleichzeitig noch moderatem Auflagemaß machten das Fujinon NSW 90mm f/8 EBC zur idealen Ergänzung. Alle erforderlichen Daten zu alten Großformatobjektiven lassen sich problemlos im Netz beschaffen – alles in allem also perfekte Startbedingungen! Einzig mit der Umsetzung der Fokussiermechanik hatte ich dann zwischenzeitlich die ein oder andere Nuss zu knacken. Die Fokussierung wird nämlich nicht, wie zum Beispiel bei Kleinbild, durch Drehen am Objektiv gesteuert, sondern die gesamte Optik muss zum Scharfstellen vor und zurück geschoben werden. Ganz ursprünglich war, um die Konstruktion so einfach wie möglich zu halten, deswegen mal eine Fixfokusversion geplant, bei der ich das Objektiv fest in einer plausibel klingenden Hyperfokaldistanz fixiert hätte. Irgendwie scharf von 2m bis Unendlich bei Blende X und ich wäre schon happy gewesen. Ein befreundeter Großbildfotograf (lieben Gruß am Ralf) hat mich dann aber doch recht schnell davon überzeugen können, dass so eine Lösung nix Halbes und schon gar nix Ganzes ist und so musste ich mir mitten in der heißesten Bauphase noch eine praktikable Lösung überlegen, die Optik kontrolliert und ruckelfrei vor- und zurückbewegen zu können (bei gleichzeitiger Einhaltung der Planlage zur Filmebene selbstverständlich).

 

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Detailansicht des Fokushebels

 

Ein improvisierter Kasten mit Butterbrotpapier als Mattscheibenersatz brachte die Erkenntnis, dass der Verstellweg von Unendlich bis in den Nahbereich bei meinem Objektiv bei lediglich 2 cm liegen würde. Das war bedeutend harmloser als ich in meiner Unwissenheit angenommen hatte und eine technische Lösung schien somit möglich.
Einen Balgen selbst zu fertigen, kam für mich erstmal nicht in Frage, weil ich das ganze Unterfangen nicht zu einem Mondlandungsprojekt ausarten lassen wollte.
Fertigkonfektionierte Balgenauszüge waren wegen des exotischen Panoramaformats adhoc nicht in den erforderlichen Abmessungen zu bekommen und eine Tilt-Funktion (also die Möglichkeit des Verschwenkens) war eh nie geplant. Die Option, vertikal shiften zu können, sollte für eine Landschaftskamera erstmal völlig genügen. Außerdem machte die Fokussierung ja schon zwingend die Fertigung einer Einstellmattscheibe erforderlich – man will ja schließlich auch live sehen, auf wen und was man da gerade überhaupt scharfstellt. Noch ein Problem mehr, das es zu lösen galt aber auch das Mattieren von Glas erwies sich am Ende als banaler als erwartet: einen Glasschneider, etwas Siliziumkarbidpulver Körnung 400 vom Steinmetz und einen Billigbilderhalter für 3.98 € aus dem Baumarkt – et voilá – mehr braucht es nicht und die „Mühe“ wird mit einer preiswerten aber dennoch vorzüglichen Mattscheibe belohnt. Hier leistet sich das Fujinon dann auch seine einzige nennenswerte Schwäche: die recht geringe Anfangsöffnung von Blende 8 sorgt für ein ziemlich düsteres Sucherbild. Da wird in der Praxis wohl ohne das klassische schwarze Einstelltuch überm Kopf wenig bis gar nichts gehen – also ein weiterer Schritt mehr zurück in die Anfangstage der Lichtbildnerei 😉
An diese Ära erinnert natürlich auch grundsätzlich das Arbeiten mit dieser speziellen Apparatur. Dass wir es hier mit dem exakten Gegenteil einer robusten Actionkamera zu tun haben und dass es bei plötzlich einsetzendem Regen vermutlich zu panikartigen Übersprungshandlungen des Maschinisten kommen wird, versteht sich wohl von selbst. Es war aber auch nie erklärtes Ziel des Projekts, etwas wie „High-End“ zu erreichen. Ich wollte vielmehr ein Instrument erschaffen, das meiner persönlichen Arbeitsweise entgegen kommt. Das Erarbeiten des Motivs (Stichwort: Prävisualisierung), das Ritual des Aufbauens, Einstellens und der Feinjustierung (an Knöpfchen drehen, an Hebelchen schieben) und letztendlich die Reduktion auf das Essentielle in der Fotografie waren mir Hauptmotive für den Bau der „K-2“ Und somit gibt es an ihr letztenendes auch keinen überflüssigen Schnickschnack. Verzichtbar gewesen wären allenfalls noch die Wasserwaage, die Shiftfunktion und im äußersten Fall die Mattscheibe. Alles andere lässt sich auf die grundlegenden Notwendigkeiten der Bilderzeugung zurückführen.

 

K-2

Mattscheibe (links) und K-2 mit angesetztem Rollfilmmagazin

 

Vorausschauenderweise hatte ich die „K-2“ von Anfang an als Modulbauweise mit der Möglichkeit, Wechselmagazine zu betreiben, konzipiert. So lassen sich die Dinge notfalls ändern, sollte sich mal etwas in der Praxis nicht bewähren oder wenn es darum geht, im Falle eines Falles ein defektes Bauteil tauschen zu müssen. Ein Totalversagen war somit ausgeschlossen. Das Filmmagazin gegen einen Rahmen mit Mattscheibe auszutauschen war also konstruktiv auch kein Problem. Somit ist das Ergebnis am Ende doch eine ganz runde Sache geworden. Eine Naheinstellgrenze von einem guten halben Meter soll fürs Erste mal genügen und ich kann für die Fototour bequem zuhause zwei Magazine für insgesamt 8 Aufnahmen vorbereiten, ohne dann mittendrin auf freiem Felde die Filmrolle wechseln zu müssen. Da ich das Arbeiten mit dieser Kamera – wie oben schon angedeutet – als eher „methodisch/ bedacht“ bezeichnen würde, sollte das für einen ausgedehnten Arbeitstag absolut ausreichend sein. Ein Mix aus SW- und Farbfilm ist natürlich auch denkbar – Magazine mit lichtdichten Schiebern sei Dank!

Die ersten Ergebnisse auf Ilford FP4+ zeigen sich schon mal recht vielversprechend, wenngleich es scheinbar noch irgendwo ein Lichtleck der exotischen Art zu geben scheint. Das bei Ebay gebraucht geschossene Fujinon NSW 90mm f/8 mit seiner EBC-Vergütung scheint zumindest ein guter Fang zu sein. Mit seinem Gebrauchtpreis von etwas mehr als 200 € würde ich es angesichts seiner optischen Leistung durchaus noch als Schnäppchen bezeichnen. Ein Glücksgriff für den unbedarften Neuling also.

 

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Kategorie: Bildfehler, die die Welt nicht braucht…

 

Wegen des Lichtlecks sind die Bilder 2 bis 4 der ersten Filmrolle leider nicht wirklich vorzeigbar. Ich tippe auf eine Haarfuge am Schieber, durch die sich Licht einschummelt und das Zebramuster entsteht wahrscheinlich beim Weiterkurbeln mit der Transportschraube: drehen – umgreifen, drehen – umgreifen, usw. Dafür keimt bei Bild 1 Hoffnung für die Zukunft auf. Komischerweise kam dieses fehlerfrei aus dem Entwickler und das Lichtleck macht sich hier überhaupt nicht bemerkbar!? Rätselhaft. Der Sache muss ich jedenfalls nochmal genauer auf den Grund gehen.

 

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„far away from perfect“ aber Hoffnungsträger für die Zukunft – das absolut allererste (und bis dato einzige) Bild der „K-2“

 

Die einzige gelungene Aufnahme der ersten Rolle reißt einen zwar auch noch nicht komplett vom Stuhl, aber eine 1:1-Reproduktion mit einem Makroobjektiv offenbart zumindest ansatzweise das zu vermutende Potenzial der Optik und des großen Negativs. Hierbei lässt sich schon mal erahnen, warum Wim Wenders nicht davor zurückschreckt, seine Mittelformat-Panoramen in einer Größe von 1,7 mal 4 Metern zu präsentieren.

 

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Hier fehlt es eindeutig noch an Grundschärfe. Eine Ursache liegt wahrscheinlich darin, dass ich Testaufnahme 1 bei Offenblende (f/8) durchgeführt habe und dass das Auflagemaß der Optik noch nicht hundertprozentig stimmt. Da muss ich wohl noch einmal den Messschieber ansetzen und prüfen, ob Mattscheiben- und Filmebene synchronisiert sind. Ein Problem der komplexeren Art ist dagegen die tonnenförmige Verzeichnung, die man rechts an der Gasometer-Hülle erkennen kann. Ich fürchte, hier liegt der Fehler weniger bei einer schlechten Optik sondern vielmehr an mangelnder Planlage des Filmstreifens. Wie ich das Problem lösen werde, ist mir momentan noch nicht ganz klar, aber wenn ich eine Disziplin beherrsche, dann die, dass ich mich an einem „Problem“ so richtig festbeißen kann. 😉

Wie dem auch sei, durch die Eigenleistung des Bauens und dem konsequenten Einsatz von Holzresten und preiswerten Aluminiumprofilen aus dem Baumarkt konnte ich die Materialkosten (inklusive Optik!) deutlich unter 350 € halten. Soviel würde ein 3D-Druckdienstleister im Übrigen schon alleine für ein Wechselmagazin aus ABS-Kunststoff verlangen, ein fertiges Filmmagazin aus China schlüge mit ca. 600 € zu Buche und mit einem vergleichbaren Komplett-Set von Linhof lägen wir dann schon vermutlich deutlich in einer 5stelligen Preiskategorie. Da such‘ ich doch gerne mal einen Abend lang nach dem Lichtleck. Außerdem war durch „low budget“ am Ende noch ausreichend Luft für ein paar Rollen Film und ein adäquates, sicheres Heim für die neue Schöne:

 

K-2

ready to go…

Konstruktive Merkmale

– Speziell auf die Landschaftsfotografie im Querformat abgestimmte Panoramakamera
– Modulbauweise ermöglicht den Austausch der Einstellmattscheibe gegen vorgeladene Filmmagazine
– Effektives Bildformat 6×17 cm auf Rollfilm 120, 4 Aufnahmen pro Filmrolle
– Gehäuse: Aluminiumchassis mit Anbauteilen aus geräuchertem, geöltem Eichenholz und schwarz durchgefärbter MDF
– Objektiv: Großformatobjektiv Fujinon NSW 90mm f/8 EBC mit Copal #0-Verschluss
– Brennweitenäquivalent (hor.): 21,5mm KB
– Fokus: Schubkastenprinzip, Verstellweg zwischen den Totpunkten ca. 20 mm
– Shift: vertikal +/- 12,5 mm
– Nivellierlibelle
– Manfrotto-Schnellwechselplatte für Getriebeneiger
– Drahtauslöser, feststellbar
– Verschlusszeitenbereich: 1 – 1/500 s, B und T
– Blendenbereich: f/8 – 45
– Naheinstellgrenze: ca. 50 cm
– Abmessungen (H/B/T): 178/297/138 mm
– Gewicht: 2.150 g (Gehäuse inkl. Objektiv und Filmmagazin
– Gewicht komplett: 11.950 g (tourfertig inkl. Stativ, Getriebeneiger, 2 Magazinen und Hardcase)
– Bauzeit: bis dato ca. 80 Stunden (exkl. Planungszeit und Fehlerbehebung)

 

Teil 2 folgt in Kürze…

 

 

 

Ostfriedhof – postdigital…

Ostfriedhof – postdigital…

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Das analoge Fieber hat mich wieder und die Digitale habe ich an den Nagel gehängt…
…kleiner Scherz.
Ich will hier nicht die ewige Diskussion Analog vs. Digital neu entfachen. Immer dieses dogmatische Entweder-oder. Müßig! Wenn man beides gerne macht, also digital und analog fotografiert, ist man dann (Achtung!) dialog unterwegs? Albern, klingt aber wenigstens schon irgendwie sympathischer. Trotzdem albern, dieses ewige In-Kategorien-pressen. Gibt wichtigeres…
Entscheidend ist doch, was gerade zur eigenen Stimmung, zum jeweiligen Anspruch und zum inneren Tempo passt. Und wenn mich gerade das Gepiepe und Gefummle in irgendwelchen Untermenüs und ständiges Akkugelade und diese ganze Plastikästhetik (uäh!) nerven, greife ich ab jetzt wieder verstärkt zur guten alten Spiegelreflex mit dem Filmröllchen drin. Die liegt schwer in der Hand und scheint für die Ewigkeit gebaut. Sollte ich nach der nuklearen Apokalypse noch das Bedürfnis haben Fotos zu schießen, mit ihr ginge das!
>Klock< – >Ritsch<, akustisch wie haptisch ein Hochgenuss und Passanten drehen sich auch wieder nach einem um.
Apropos Filmröllchen: ja, es gibt sie noch und wie mir scheint, haben im Sinne der Marktbereinigung wohl nur die besten Emulsionen überlebt. Ein wahrlich teurer Spass inzwischen, aber zur Drosselung des „Arbeits“tempos (ich vermeide den Begriff »Entschleunigung«) kommt dann halt noch die Konzentration aufs wirklich Wichtige und die einhergehende Selbstbeschränkung hinzu. Keine 64 GigaByte flüchtig konsumierter Schrott, sondern 36 Negative, denen man, wenn alles geklappt hat, eine gänzlich andere Wertschätzung entgegenbringt. Mit Spannung und Vorfreude aufs Ergebnis warten können ist auch so eine Sache, die wir gänzlich zu verlernen scheinen.
Memo an mich: aufpassen, dass ich nicht aus der Zeit falle und zum ewig-gestrigen Schrat mutiere (na gut, die Nacharbeit erledige ich dann ja wieder am Rechner – das Risiko bleibt also überschaubar)!
Drum gilt fürs erste: analysiere, was Dir wirklich wichtig ist und nutze das jeweils Beste zu deinem Vorteil. Maximiere dabei sowohl den Spass- wie auch den Entspannungsfaktor.
Wie dem auch sei, der erste Testfilm nach ich-weiß-nicht-wie-vielen Jahren (fast 30!) war auf jeden Fall eine äußerst spannende Angelegenheit: Lampenfieber vor dem ersten Auslösen, die Vorfreude aufs Ergebnis, dann wieder Lampenfieber vor dem Selbstentwickeln (das wollte ich schon immer mal nachholen, habe ich mich früher nicht drangetraut) und dann das Hochgefühl, dass auf dem entwickelten Film wirklich was zu erkennen ist. Dann heisst es wieder warten bis der Streifen durchgetrocknet ist.
Folter für die LiveView- und Display-Verwöhnten…

Aber nun Bilder:

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Den Ostfriedhof hatte ich mir für diesen ersten Test bewusst gewählt, weil ich mich neben einem unbekannten Medium nicht noch mit einer mir unbekannten Location überfrachten wollte. Im Herzen der Stadt Dortmund gelegen ist er zweifellos einer der schönsten Friedhöfe Deutschlands und gewöhnlicherweise eine Oase der Ruhe (wenn´s nicht gerade Allerheiligen hat). Generell ein sehr inspirierender Flecken, der auch wegen seiner Nähe definitiv zu meinen Lieblingsorten gehört. Hier kenne ich mich gut aus, entdecke aber trotzdem bei jedem Besuch immer wieder etwas neues.

Abspann für die Technixxe:

Datum: 01.01.2017
Location: Ostfriedhof, Dortmund
Kamera: Canon New F1 (Bj. 1983)
bevorzugtes Objektiv: Canon nFD 135mm 1:2,8
Filter: Gelbfilter
Film: Kodak Tmax 400 auf ISO 1000 belichtet (entspricht einer Belichtungskorrektur von +2/3 Blenden für das spätere Pushen auf ISO 1600)
Push-Entwicklung auf ISO 1600 in Kodak Tmax-Entwickler 1:4 (10 Min @ 20°C)

Lost Places im Ruhrpott

Lost Places im Ruhrpott

Was müssen die 80er und 90er im Pott für ein Paradies gewesen sein – überall alter Schrott, Industriebrachen so groß wie Luxemburg, allerorten Verfall und Patina. Niedergang. Schichtende.

Natürlich klingt das alles nur verlockend aus der etwas speziellen Sicht des Lost-Places-Fotografen. Die Kumpel, die nach jahrzehntelanger Maloche von jetzt auf gleich auf der Straße standen, werden zu dem Thema ihre eigene Meinung haben. Aber auch als die Hochöfen noch Stahl und die Kokereien noch Koks kochten, war das Verhältnis zu den Industriegiganten ambivalent. Omma konnte da ein Lied von singen. Wenn sich draußen der Himmel rot färbte, war klar: Abstich auf der Hütte! Dann musste panikartig die frisch gewaschene Bettwäsche gerettet werden, die draußen zum Trocknen auf der Leine hing. Sonst wäre sie hin gewesen. Und wenn die braun-rote Wolke durchs Tal gezogen war, war Fensterbänkeputzen angesagt. Geklagt hat sie trotzdem nie, hatte doch ihr Fritz sein ganzes Berufsleben lang einen sicheren Arbeitsplatz am Hochofen und man konnte sich so den einen oder anderen bescheidenen Luxus leisten. Man arrangierte sich zeitlebens und musste halt auf Zack sein.

Ich kann mich erinnern, dass unser altehrwürdiges Knaben-Gymnasium – frisch umbenannt in Ernst-Meister-Gymnasium – in den frühen 1980ern aus allen Nähten platzte und der Unterricht teilweise in den alten Verwaltungsgebäuden der Hasper Klöckner-Werke stattfinden musste. Drinnen Katholische Religion bei Herrn Finkeldei, draußen ein Panorama aus Abbruchhalden, Skeletten von Werksanlagen und alten Gleisen der Werksbahn. Für uns war das Normalität und viele haben sich wohl weggewünscht aus dieser Melange aus Grau und Braun. Heute würde ich mir am Fenster die Nase plattdrücken. Man stelle sich nur vor: die alten riesigen Industriebrachen der 80er und 90er kombiniert mit aktueller Kameratechnik und dem fotografischen Blick von heute – ein El Dorado! Man hätte nur ein paar Schritte vor die Türe machen müssen, vielleicht durch ein Loch im Zaun schlüpfen oder ein paar Meter über die Werksbahntrasse laufen und man wäre da gewesen, im fotografischen Paradies. Heute, dreißig Jahre später, hat sich das massiv geändert. Viel übrig ist nicht mehr in der Region. Und das, was mal da war, ist heute entweder ein familiengerechtes Industriemuseum oder ein chices Neubauviertel. Mal wurde renaturiert, mal gab´s den drölfzigsten ALDI, Penny oder Hellweg. Wie dem auch sei: der alte Kram ist größtenteils verschwunden. Das zu finden, was noch übrig ist, gleicht der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen – trotz modernster Recherchemöglichkeiten im Internet. Auch Google Earth ist meistens keine große Hilfe, da das Satellitenmaterial oftmals veraltet ist. Zwei Jahre sind hier in der Gegend viel. Meistens hilft hier nur die gute alte Mundpropaganda und dann heißt es: flott sein! Eingefleischte Szenekenner haben das Ruhrgebiet bereits offiziell für tot erklärt und empfehlen die Reise nach Belgien oder in die neuen Bundesländer. Wie schade! Damals war doch alles zum Greifen nah. Will man sich heute im Ruhrpott fotografisch mit Industrieruinen beschäftigen ist man wohl schlicht und einfach zu spät dran. Zug abgefahren! Zum Verrücktwerden…

Der Strukturwandel ist gefühlt größtenteils abgeschlossen.

Aber, was macht denn eigentlich den Reiz dieser verlassenen und dem Verfall preisgegebenen Orte aus? Vermutlich ist es generell die Lust, unbekannte Gefilde zu erforschen. Hier kommt das Kind im Manne voll auf seine Kosten, haftet einer Exkursion doch immer auch ein wenig der Geruch des Verbotenen an. Auch macht es Spaß, dem Genius Loci nachzuspüren. Reizvoll, wenn der Ort wirkt, als wäre er gerade erst verlassen worden und hier und da eine Hinterlassenschaft auf das Leben und Arbeiten vor dem Niedergang verweist.

Ein typisches Beispiel für „zu spät dran“ – die kläglichen Reste des Südbahnhofs im Dortmunder Stadtzentrum (die Aufnahmen dokumentieren den Zustand zum Jahreswechsel 2015/16):

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Das Areal des Südbahnhofes ist, wie so viele andere, ein Ort wechselhafter Geschichte. 1874 in Betrieb genommen, wurden hier während des Dritten Reiches gleichsam die Kinderlandverschickung wie auch die Deportation der Juden in die Vernichtungslager vollzogen. 1957 wurde der Betrieb eingestellt und es folgte ein langer Dornröschenschlaf mitten im Dortmunder Stadtzentrum. 2012 erfolgte dann der Abriss von Ringlokschuppen und anderer Betriebsgebäude als Vorbereitung zur Errichtung eines modernen Wohnviertels mit dem aussagekräftigen Namen „Kronprinzenviertel“. Eine letzte verbliebene Landmarke ist der 1926 errichtete Wasserturm am Heiligen Weg.

Hier is nix mehr mit »Genius Loci«…