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Fundstücke #1

Fundstücke

Es gibt diese Bilder, die eigentlich keiner weiteren Worte bedürfen, weil sich dem Betrachter ihre Aussage unmittelbar erschließt…

gesehen in Dortmund

…dann sind da diejenigen, die prinzipiell den gleichen Gegenstand zeigen aber durch einen erklärenden Satz eines kleinen Anstupsers bedürfen:

Nurnberg_Herren

gesehen auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände der NSDAP in Nürnberg

Und mit einem Mal wird die ganze Sache irgendwie schräg!

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Professionelle Bildbewertungen von seen.by – Rezension einer Rezension / Teil 2

Professionelle Bildbewertungen von seen.by – Rezension einer Rezension / Teil 2

Hier nun wie versprochen der 2. Teil meiner Bildbewertungsbewertung. Wer die einführenden Worte verpasst hat, hier geht´s zum 1. Teil

Sollte man den Schritt gewagt und bei seen.by eine professionelle Bildbewertung zu einem seiner fotografischen Werke in Auftrag gegeben haben, bekommt man pünktlich nach den versprochenen 5 Werktagen eine 9-seitige PDF per Email zugesendet.

Verpackt in ein sauberes Layout wird einem zu Beginn noch einmal der Rezensent, in meinem Fall der Fototrainer und Fachautor Georg Banek vorgestellt und nach dieser kurzen Einführung und dem Inhaltsverzeichnis  geht es auch schon direkt mit der eigentlichen Bildbewertung los.

Diese gliedert sich thematisch in die Hauptbereiche „Motiv und Bildaussage„, „Gestaltung„, „Aufnahmetechnik“ und „Bearbeitung“ mit einer höchst unterschiedlichen Zahl von Teilaspekten. Den Hauptanteil nimmt dabei mit Abstand der Gestaltungsaspekt ein, während dem Bereich der Bildbearbeitung die geringste Aufmerksamkeit zukommt. Die äußere Form ist streng tabellarisch aufgebaut und die Bewertungen in den einzelnen Teilkriterien wird durch Prädikate wie beispielsweise PROFESSIONELL / AMBITIONIERT / DURCHSCHNITT / ANFÄNGER / MANGELHAFT oder SEHR UNGEWÖHNLICH / HAT NEUE ASPEKTE / STANDARDMOTIV / WENIG INTERESSANT vorgenommen. Am Ende jedes dieser 4 Hauptbereiche folgt dann ein, mit zwei, drei Sätzen recht knapp gehaltener persönlicher Kommentar des bewertenden Fachmanns. Gewünscht hätte ich mir hier noch einen abschließenden Punkt 5 „Fazit“ / „Conclusio“ o.ä. mit einer zusammenfassenden persönlichen Meinung des Rezensenten. So findet die Bildbewertung doch recht unvermittelt ihr Ende und es fehlt ihr irgendwie an einem runden Abschluss.

Die Gewichtung der Bildbewertung von seen.by liegt also offensichtlich bei einer sauber strukturierten tabellarischen Kriterienliste. Das hat natürlich den Vorteil, dass kein Teilaspekt versehentlich unter den Tisch fällt und dient wohl auch dazu, in übersichtlicher Form ein reproduzierbares und standardisiertes Bewertungsschema anwenden zu können, abgesehen davon, dass es natürlich auch dem Bildbewerter selbst die Arbeit erträglicher gestaltet 😉

Wohl um dieses statische Gerüst der Stichpunktliste aufzulockern, hat man sich bei seen.by dann doch zumindest zu kurzen ergänzenden Kommentaren am Ende jedes Hauptbereiches entschlossen. Ich finde, beim Lesen dieser Kommentare hatte ich dann auch das erste Mal das Gefühl, dass da wirklich ein menschliches Wesen die Bildbewertung durchgeführt hat und nicht eine automatisierte Bildbewertungssoftware. Diese knappen Kommentare wirkten auf mich persönlicher und waren am Ende für mich in vielerlei Hinsicht um Längen aufschlussreicher als die etwas vorkonfiguriert wirkenden Multiple-Choice-Antworten.

Würden diese persönlichen Worte ganz fehlen, hätte die ganze Sache in meinen Augen wohl den Charme eines Fragebogens in einer Führerscheinprüfung. Da Fotografen in aller Regel jedoch von empfindsamem Gemüte sind, würde ich sogar soweit gehen zu sagen, dass ich mir für den Anteil Tabelle/ Kommentar eigentlich eine genau gegenteilige Gewichtung zugunsten des geschriebenen Wortes gewünscht hätte. Nun gut, die gebotene Leistung kostet hier in diesem Fall 20€, Einführungspreis wohlgemerkt. Angesichts dessen halte ich persönlich den erhaltenen Gegenwert für einigermaßen angemessen. Übertragen auf meinen Berufszweig als Handwerksmeister entspräche das in etwa einer Arbeitszeit von 20 Minuten. Wahrscheinlich hinkt hier etwas der Vergleich, aber die Relationen erscheinen mir so doch recht plausibel. Sollte seen.by sich jedoch entschließen, den Preis für diese Form der Bildbewertung auf die geplanten 30€ zu erhöhen, müsste mir ein wenig mehr an persönlichem Rahmenprogramm geboten werden.

Was mich in der Nachbetrachtung zum Beispiel etwas gestört hat, war die Eingleisigkeit des Kommunikationsweges. Bewertet wird hier natürlich das Bild an sich, das isoliert für sich funktionieren muss, vielleicht noch unter Berücksichtigung der Exif-Daten, aber ohne weitere Kenntnis des Fotografen und seines Portfolios. Soweit so gut, doch manchmal muss man Bilder auch aus einem gewissen Kontext heraus betrachten und so manches Bild bedarf einiger erklärender Worte im Vorfeld, eine gewisse Kenntnis zur Vorgeschichte seiner Entstehung oder Informationen dazu in welchen Kontext es sich einbetten soll. Die Möglichkeit darauf einzugehen fehlt zum Beispiel in diesem Bewertungsmodell völlig und würde wohl auch den Rahmen sprengen. Auf der anderen Seite wird man mit dem ausgearbeiteten Ergebnis der Bewertung am Ende doch recht allein gelassen. Eine Möglichkeit der Vorstellung zu Beginn und einer Nacharbeit am Ende gibt es erst einmal offensichtlich nicht.

Zumindest eine Form der Nachbesprechung sähe ich jedoch als dringend nötig an, denn manche Dinge erschlossen sich mir trotz intensiven Studiums meiner Bildbewertung nicht zweifelsfrei! Entweder waren es offensichtliche Widersprüche oder Verbesserungsratschläge, die ich nicht so recht nachvollziehen konnte.

Beispiele:

Für mich war das Hauptmotiv des Bildes eigentlich die Gesamtszenerie, die sich mir bot als ich den Hochzeitsturm auf der Darmstädter Mathildenhöhe besucht habe. Die unterschiedlichsten geometrischen Formen versammelt auf einem Fleck. Das wollte ich transportieren. Gelungen oder nicht sei erstmal dahingestellt. Für Herrn Banek war aber irgendein Detail auf dem Bild das eigentliche Hauptmotiv. Welches, wurde mir durch die Analyse leider nicht so richtig deutlich. Der Würfel vielleicht? Mir bleibt nur raten… Hier wäre es wertvoll gewesen zu erfahren, wie ein Profi sich in ein Bild hineinliest.

Wenn z.B. in einem Abschnitt die Gesamtgestaltung für „teilweise“ stimmig erklärt wird, direkt danach klar verneint wird, dass die Gesamtgestaltung zum Motiv passt und sich die Gestaltung insgesamt auf einem durchschnittlichen Niveau befindet, danach aber Motiv und Bildaussage auf einen professionellen Level gehoben werden, wirkt das auf mich erst einmal als Widerspruch in sich. Die Gefahr der Fehlinterpretation ist in solchen Fällen groß und hier würde die Gewichtung auf mehr persönliche Erklärung meiner Meinung nach für mehr Klarheit sorgen können.

Verbessungsratschläge bezüglich einer alternativen Komposition finde ich in Textform für mich recht unbrauchbar, wenn ich nicht ein konkretes Gegenbeispiel präsentiert bekomme. Gerade im Bereich des Bildausschnittes, wo ein Millimeter mehr oder weniger eine Bildaussage komplett verändern kann, helfen mir Sätze wie „rechts ein wenig mehr“ oder „unten links knapper“ nicht wirklich weiter und auch hier könnte man durch ein wenig mehr (z.B. durch einen alternativen Vorschlag) viel an Rätselraten im Nachhinein vermeiden.

 

Mein Fazit:

Die professionelle Bildbewertung von seen.by ist ein engagiertes neues Modell im Bereich der Bildbewertung und sicherlich einen Versuch wert, wenn man eine fachkundige Expertise zu einem seiner Werke bekommen möchte und der ewig gleichen oberflächlichen Kurzkommentare in Foren überdrüssig geworden ist. Die Bewertung durch den Fachmann erfolgt neutral, sachkundig und objektiv. Es wird nichts schöngeredet, um bei der Stange gehalten zu werden, was natürlich aber auch bedeutet, dass man nicht geschont wird und in der Lage sein muss eine ehrliche Kritik auch aushalten zu können. Ich hatte für den ersten Versuch bewusst ein kritisches Bild mit eingebauten Fehlern bewerten lassen und die Knackpunkte wurden durch Herrn Banek gnadenlos aufgedeckt. Test also bestanden 😉 Der aktuelle Preis bewegt sich für die gebotene Leistung in einem angemessenen Rahmen, beschränkt die Bewertungslust jedoch quantitativ auf weniger, dafür lohnenswerte Motive. Verbesserungsbedarf gäbe es meiner Meinung nach im Bereich der beiderseitigen Kommunikation, z.B. in Form einer Vorstellungs- bzw. Nachbesprechungsmöglichkeit, falls am Ende Fragen offen geblieben sein sollten. Dann wäre unter Umständen auch eine Preiserhöhung zu rechtfertigen. Unter diesen Vorraussetzungen wäre ich wohl bereit, diese Leistung jederzeit wieder in Anspruch zu nehmen, würde mich dann aber auf jeden Fall auf Bilder beschränken, bei denen ich mir wirklich unsicher bin und dringend eine zweite Meinung benötige, wie bei Wettbewerbs- oder Ausstellungsbildern.

 

Wer nach all dem ganzen Text noch Lust hat, sich das Ergebnis meiner ersten professionellen Bildbewertung anzuschauen, der wird hier fündig: Bildbewertung-Andre Kurenbach

Noch ein Fotoblog…

…mag so mancher stöhnen, aber immerhin ist dieser hier mein eigener, ganz privater!

Fotografen sind auch irgendwie nur Menschen, jedoch steht mal eines fest: es sind immer ganz eigene Individuen, die sich auf unterschiedlichste Art und Weise (sinnvoll) mit ihrer Umwelt auseinandersetzen.

Vom Technik-Aficionado, über den nüchternen Profi bis hin zum entrückten Asketen – für jeden ist das Passende dabei und jeder findet in der Fotografie seine persönliche Wohlfühlzone.

Manch einer sucht auch einfach nur das schöne Bild, ganz für sich allein. Wenn es dann anderen gefallen sollte – um so besser! Der Wettbewerbsgedanke ist ihm dabei eher fremd, er sucht die Entspannung und den Ausgleich. Das Hantieren mit feinen Instrumenten, das Warten auf die richtige Lichtstimmung, das Einfangen und Konservieren des Momentes und die kindliche Vorfreude beim Ausdrucken des Ergebnisses sind ihm legitime Beweggründe, ein Leben lang dieser Leidenschaft nachzugehen.

Sollte ich mich in eine Kategorie einordnen müssen, so ist es mit absoluter Sicherheit die Letztgenannte!

Dabei maße ich mir mit Sicherheit nicht an, allwissender Experte zu sein. Irgendwo gibt es immer jemanden, der noch tiefer im Thema ist, aber vielleicht hat ja meine Vorgehensweise für den ein oder anderen etwas beispielhaftes, kann ihm helfen und ihn inspirieren oder es entsteht ein reger Dialog zu einem Thema, von dem auch ich dann wiederum profitieren und meine Kenntnisse ausbauen kann.

Denn eines ist klar: sich das Handwerk der Fotografie autodidaktisch anzueignen, ist wahrlich kein leichtes Unterfangen, sofern man den inneren Anspruch besitzt, ein gewisses handwerkliches oder künstlerisches Niveau zu erreichen. Stolpersteine auf diesem Wege gibt es viele und allzuleicht läuft man Gefahr, sich im Dschungel der technischen Möglichkeiten zu verlaufen oder Geld zu verbrennen für Dinge, die zwar dem Ego schmeicheln aber für eine Weiterentwicklung eigentlich überflüssig oder u.U. sogar contraproduktiv sind.

Dabei ist die digitale Revolution in der Fotografie in meinen Augen sicherlich Fluch und Segen zugleich.

Ist die Lernkurve am Beginn noch recht steil, weil man durch moderne Kamerasysteme mit ausgefeilten Belichtungsprogrammen, Autofokusunterstützung, billigen Speichermedien und der unmittelbaren Kontrollmöglichkeit per Display, sofortige Rückmeldung über Erfolg bzw. Misserfolg erhält, sah das in den „guten alten“ Analogzeiten noch ganz anders aus.

Da gab es in der Regel einen Filmstreifen mit 12, 24 oder 36 Aufnahmen, der bei unsachgemäßer Handhabung auch schon mal komplett in die Mülltonne wanderte. Für einen Schüler mit eher spärlichem Taschengeld eine nennenswerte Katastrophe, die erstmal verdaut werden musste. An ausführliche Testreihen war in diesem Zusammenhang selbstverständlich gar nicht zu denken.

Umso wertvoller waren dann aber natürlich auch die wenigen gelungenen Ergebnisse, die später ihren Weg in die abendlichen (und in der Verwandtschaft gefürchteten) Diavorführungen fanden. Magische Momente waren das. „Aufm Kopf!!“, „N bischen düster, aber sonst ganz nett, was soll das denn überhaupt darstellen?“, „Häh? Spiegelverkehrt? Och nö, die waren ja alle falsch rum, Nochmal!“

War früher vielleicht der Diaprojektor ein ernstzunehmender Gegner, der bezwungen werden wollte, muss man sich heute dagegen an vielen Fronten bewähren, um wirklich Ergebnisse zu erzielen, die das Potential haben, sich aus der Bilderflut zu erheben und so mancher unterschätzt vielleicht, dass es eben nicht nur das Upgrade auf das aktuellste Kameragehäuse ist, sondern dass der gesamte Technikballon drum herum auch homogen mitwachsen muss.

Neben der sicheren Beherrschung der Kameratechnik muss man sich fachlich eben auch intensiv mit der technischen Peripherie auseinandersetzen. Das sichere Anwenden von Bildbearbeitungs- und Archivierungsprogrammen ist in dem Zusammenhang genauso unverzichtbar, wie das Wissen um die Wichtigkeit eines guten kalibrierten Monitors und wenn man einen qualitativ guten Ausdruck machen möchte, wird man schmerzlich erfahren müssen, dass der gute alte Bürodrucker doch recht schnell an seine Grenzen kommt. Zum vernünftigen Digitalisieren analoger Negative gehört neben einem guten Scanner eben auch eine vernünftige Scanner-Software, die man sich extra anschaffen muss und die auch extra zu Buche schlägt.

Auch wenn es nur darum geht, die eigenen Werke im WWW zu präsentieren oder in sozialen Netzwerken zu teilen, all das muss erlernt und unterhalten werden. Die Summe aus all dem kann einem im Endeffekt schlicht und einfach die Zeit rauben, die man besser mit der eigentlichen Sache, der Schulung seines Auges – sprich: dem Fotografieren – verbringen sollte.

So manchem geht dabei auch komplett die Laune flöten, was natürlich sehr schade wäre.

Mag sich jeder sein eigenes Urteil bilden, ob die Fotografie durch den digitalen Umbruch letztlich wirklich leichter geworden ist. Meine Meinung dazu ist ein klares „jein“!

Ob virtuose Dunkelkammerarbeit oder große Photoshop-Kunst, alles will auf seine Art erlernt werden. Grenzen setzen hier nur der innere Antrieb und der eigene Zufriedenheitslevel.

Dieser Weg ist auch für mich sicherlich noch lange nicht zu Ende, auf der anderen Seite macht natürlich gerade das auch den Reiz aus. Vielleicht trägt auch dieser Blog und der vielleicht durch ihn entstehende Kontakt zu Gleichgesinnten dazu bei, Licht in so manches Dunkel zu bringen.

Dann wäre für mich schon eine wesentliche Aufgabe erfüllt.

Dortmund im Sommer 2015