Stipvisite im Kalten Krieg – Besuch im Ausweichsitz NRW

Dokumentationsstätte ehemaliger Ausweichsitz der Landesregierung NRW – Kall-Urft/Eifel

Hinter dieser etwas sperrig daherkommenden Bezeichnung verbirgt sich ein durchaus sehenswertes Stück deutscher Ingenieurskunst aus der Zeit des Kalten Krieges. Der Ausweichsitz war 30 Jahre lang potentieller Zufluchtsort für den Ministerpräsidenten und ausgewählte Mitarbeiter des NRW-Innenministeriums für den Fall eines nuklearen Angriffs auf die BRD. Nachdem er Jahrzehnte lang einsatzbereit gehalten wurde, gab man ihn 1993 auf, weil er in kein strategisches Konzept mehr passte. Seitdem befindet sich die Anlage in Privatbesitz, kann aber im Rahmen von Führungen besichtigt werden.
Seine Hauptaufgabe bestand in der Aufrechterhaltung der Regierungsaufgaben und der entsprechenden Kommunikation mit den anderen Organen, um Evakuierungen und andere Rettungsaktionen zu koordinieren.
Ca. 200 handverlesene Landesbeamte sollten hier im Falle eines Falles für maximal 30 Tage hermetisch von der Außenwelt abgeschottet ihren Dienst an Volk und Vaterland verrichten können.
Über Sinn und Unsinn eines schwimmend gelagerten Betonwürfels in der Eifel darf an dieser Stelle lebhaft diskutiert werden, hing der gesamte Erfolg dieser Maßnahme doch davon ab, dass es sich beim „Ernstfall“ um ein genau definiertes nukleares Szenario handelt, nämlich dem taktischen Angriff auf 3 Großstädte des Ruhrgebiets zur Vorbereitung des Einmarsches von Bodentruppen des Warschauer Paktes über die sogenannte „Fulda-Gap„.
Für einen direkten Treffer war der Bunker nicht ausgelegt. Dafür reichte die Dicke der Betonwände von „nur“ 3 Metern nicht aus. In dieser Hinsicht konnte ich an dieser Stelle schon mal die erste Bildungslücke schließen.
Von einer totalen, apokalyptischen Eskalation mit mehrfachem Overkill – also dem, was uns Kindern der 80er den Schlaf geraubt hat – ging man bei der Konzeption des Bunkers nicht aus. In einem solchen Fall hätte es da oben wohl auch nichts und niemanden mehr gegeben, den man hätte regieren können…

 

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Der Zugang zum Bunker, versteckt in einer Doppelgarage

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ABC-Schutzanzüge – das Symbol des Kalten Krieges

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Gegensprechanlage für die Nachzügler – Einlass ungewiss…

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Medizinischer Behandlungsraum #1

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Medizinischer Behandlungsraum #2

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Schampusvorrat für das große Abschlussfeuerwerk (?)

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Rechtsabteilung #1

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Rechtsabteilung #2

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Etagenbetten im Schichtbetrieb

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Robuste 60er-Jahre-Technik – ob man am anderen Ende jemanden erreichen wird? Fraglich…

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Fernmelderaum

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Kartenraum

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das einzige Einzelzimmer ist dem Ministerpräsidenten vorbehalten

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gemeinsames Waschen stärkt die Moral und man lernt sich näher kennen

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fest verschlossen

 
Wer sich mal dem ideologischen Shit der 70er und 80er Jahre in stilistisch passendem Ambiente hingeben möchte, dem sei der Besuch im Ausweichsitz NRW wärmstens zu empfehlen. Auch wer nicht unbedingt fotografieren möchte, kommt bei der fast 2 1/2stündigen Führung auf seine Kosten – sehr informativ und es darf lebhaft diskutiert werden. Nur sollte man sich warm anziehen – das Bunkerleben war wahrlich kein Zuckerschlecken. Fotografen sollten ein passables Weitwinkel im Gepäck haben, lange Fluchten sucht man in dem mehrgeschossigen Betonkübel vergeblich.

Abschließend in diesem Zusammenhang noch eine kleine Buchempfehlung:
»Hoimar von Ditfurth: So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen – Es ist soweit«
Wissenschaftlich nüchtern und sauber recherchiert wurde hier der ganze Wahnsinn des nuklearen Zeitalters und die Folgen einer möglichen Eskalation zusammengefasst und es stimmt nebenbei ganz vorzüglich aufs Thema ein. Hat in meinem Bücherregal mittlerweile ein wenig Staub angesetzt, war aber für meine Generation damals in der Protestphase quasi Pflichtlektüre – auch wenn das allgemeine Bedrohungsszenario sich heute offenbar etwas anders darstellt…
Obwohl, wenn Donald Trump wirklich…?!
Nicht weiter drüber nachdenken!

Bildung kann so preiswert sein!

3 Gedanken zu „Stipvisite im Kalten Krieg – Besuch im Ausweichsitz NRW

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