Über meine Serie [blurred memories]…

…was macht die Fotografie zum Faszinosum?

Im Grunde genommen bin ich ja eigentlich bekennender Rationalist. Kann ich mir einen Sachverhalt logisch erklären, bin ich mit mir und dem jeweiligen Problem im Reinen. Dementsprechend widme ich mich wohl bevorzugt der eher sachlich, dokumentarischen Fotografie – klares Signal, wenig Rauschen. Doch ab und an stößt meine Ratio an gewisse Grenzen, besonders, wenn es um tiefsitzende Dinge der inneren Gefühlswelt oder um so schwer Fassbares wie Träume und Erinnerungen geht. Dann bediene auch ich mich gern einmal der eher abstrakten, subjektiven Darstellungsformen.
Das, was mich an der Beschäftigung mit der Fotografie am meisten reizt, ist eben die unbestritten enorme Bandbreite ihrer darstellenden Möglichkeiten.
Als Fotograf darf man sich einer Klaviatur bedienen, die von kristallklarer, digitaler Objektivität bis hin zu einer absolut intimen, ureigenen und nur mehr intuitiv fassbaren Reflexion reicht – eine losgelöste Darstellungsebene, zu der ein Betrachter nur noch Zugang erhält, wenn er sich offenen Geistes auf eine Interaktion mit dem Dargestellten einzulassen vermag.
Letzterer, quasi der tiefsten Oktave dieser Klaviatur, widmet sich die nachfolgend gezeigte Bildserie [blurred memories] – verblichene Erinnerungen.
Jeder von uns trägt diese Sammlung an ausgewaschenen Erinnerungsfetzen in sich, die sich mit zunehmender zeitlicher Distanz und durch stetige Überlagerung in der Dunkelheit verlieren. Diffuse Gedankenbilder, bei denen aus dem zeitlichen und emotionalen Abstand heraus nicht mehr nachvollziehbar ist, ob es sich um »echte« oder synthetische, möglicherweise durch die Erzählungen Anderer erzeugte Bildfragmente handelt.
Mein Interesse galt der Frage: kann ich diese verblichenen Bruchstücke, diese Melange aus frühesten Erinnerungen und Fieberträumen, diese Urbilder aus dem eigenen Unterbewusstsein, mit Hilfe meiner fotografischen Mittel darstellen und somit auch für Außenstehende greifbar machen?

 

Teil 1 – monochrome [blurred memories]

[blurred memories] fig 1 – »die neue straße«

[blurred memories] fig 1 – »die neue straße«

[blurred memories] fig 2 – »onkel willi«

[blurred memories] fig 2 – »onkel willi«

[blurred memories] fig 3 – »reflexion«

[blurred memories] fig 3 – »reflexion«

[blurred memories] fig 4 – »wir stehen das durch!«

[blurred memories] fig 4 – »wir stehen das durch!«

[blurred memories] fig 5 – »das erkläre ich dir , wenn du groß bist«

[blurred memories] fig 5 – »das erkläre ich dir , wenn du groß bist«

[blurred memories] fig 6 – »zur strafe: keller!«

[blurred memories] fig 6 – »zur strafe: keller!«

[blurred memories] fig 7 – »die nachricht«

[blurred memories] fig 7 – »die nachricht«

[blurred memories] fig 8 – »schläft opa?«

[blurred memories] fig 8 – »schläft opa?«

 

Teil 2 – farbige [blurred memories]

[blurred memories] fig 9 – »resas flötenspiel«

[blurred memories] fig 9 – »resas flötenspiel«

blurred_memories-10

[blurred memories] fig 10– »gib das her!«

[blurred memories] fig 11 – »ein fremder«

[blurred memories] fig 11 – »ein fremder«

[blurred memories] fig 12 – »nicht böse sein«

[blurred memories] fig 12 – »nicht böse sein«

[blurred memories] fig 13 – »chloroform«

[blurred memories] fig 13 – »chloroform«


[blurred memories] war 2013 meine erste abgeschlossene Bilderserie aus der Reihe “subjektiva”, bei der ich eine spezielle Aufnahmetechnik einsetzte, die ich auf meine Bedürfnisse hin optimiert hatte. Durch selbsthergestellte Filterscheiben vor dem Objektiv werden dessen optische Qualität, die Grundeigenschaften wie Abbildungsleistung, Präzision, Schärfe und Klarheit hinterfragt und gezielt außer Kraft gesetzt.
Das Bild entsteht dabei weder planvoll in meinem Kopf noch naturwidrig in der Software eines Rechners sondern absolut zufallsgesteuert im Moment der Aufnahme. Durch die starke optische Manipulation der verwendeten Zerrlinsen gerät das Ergebnis mehr oder minder so zu einem Zufallsprodukt und spielt daher auch ein wenig mit dem Moment der Irritation und Verwunderung. Eine zuverlässige Beurteilung des Entstandenen wird erst später in der Nachbearbeitung am Bildschirm möglich und somit quasi zum Überraschungssfund.

Aus der Masse der entstandenen Aufnahmen taucht dann unter Umständen plötzlich dieses eine BIld aus der Verschwommenheit auf und manifestiert sich zu einem berührenden Erinnerungsfetzen.
Das Objektiv meiner Kamera wird somit zum “Subjektiv”.

Ein Gedanke zu „Über meine Serie [blurred memories]…

  1. Marte Grimm

    Lieber Andre,

    wir haben uns die Tage auf einer Deiner Ausstellungen kennen gelernt. Ein paar Stunden später hast Du mich ausdrücklich eingeladen in Deinen Blog. Dafür danke ich Dir!

    Was soll ich bloß zu diesem Blog sagen, ohne immer haarscharf daneben zu liegen? Ich habe einen Eindruck von Deinen Seiten, ja. Einen mehr als guten. Und ich hab die Freude, von Dir persönlich hierher geführt worden zu sein.

    Ich gehöre nicht zu denen, die Texte bis ins Kleinste zerlegen und kaputtreden. Auch nicht zu denen, die Fotos anderer Fotografen lustvoll steinigen können. Ich selbst stehe einfach nur da, wo ich unmittelbar fühle, ob mir etwas gefällt. Wenn ich das auch in meinem Kopf nachvollziehen kann, ist das für mich rund. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

    Zurück zum Blog ….
    Du bist authentisch, Andre. In allem, was ich von Dir gesehen, gelesen und gehört habe. Deine Texte transportieren zielsicher Deine Empathie, Dein Wissen, Deine Lebenserfahrung und Deine – auch politische – Meinung. Du würzt Deine Worte, Sätze, Passagen mit Deinem ganz eigenen Stil. Nicht anders machst Du es mit Deinen Fotos.

    Kurz: Mich berührt das Gesamtwerk von Andre Kurenbach mit all seinen Facetten.

    Wir haben uns vor der Galerie eine Sekunde lang gesehen und uns sofort umarmt. Und das, obwohl ich älter als Deine Eltern bin und wir nichts voneinander gewusst haben. Du hast also vermutlich etwas ausgestrahlt, das mich sofort an Deine Seite gezogen hat.
    Ja, und als Du mir später auch in einer sehr sensitiven Einzelführung Deine Fotos gezeigt und erläutert hast, habe ich …. nein, ich hab Dich nicht bewundert. Ich hab Deine so ungewöhnlich starken Fotos für ganz selbstverständlich gehalten. Es hätte mich extrem gewundert, wenn Du Dich im fotografischen Mittelfeld bewegst. Allein der Eindruck aus der ersten Sekunde hatte meine Erwartungen wohl schon recht hoch geschraubt.

    Wir sehen uns. Spätestens in der Galerie.

    Hochachtungsvoll im besten Sinne.
    Marte Grimm

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