Professionelle Bildbewertungen von seen.by / Teil 1

Professionelle Bildbewertungen von seen.by – Rezension einer Rezension / Teil 1

Wer die einleitenden Worte überspringen und direkt meine Bildbewertungsbewertung lesen möchte, hier geht es direkt zum 2. Teil.

Jeder Kreative kennt das Problem: ab und an möchte man einfach mal eine Resonanz und eine ehrliche Einschätzung zur Qualität der eigenen Arbeiten. Nicht jeder hat jedoch das Glück, geschulte Fachleute im Bereich der Bildkritik im engeren Freundeskreis zu haben oder engagiert sich in einem Fotoclub, in dem man sich mit Gleichgesinnten austauschen könnte. Auch liegt nicht jedem die mittlerweile schon sprichwörtliche Forumskultur, in der eine Frage oftmals schon reflexartig mit einer Gegenfrage beantwortet wird und die Form des Umgangs doch teilweise sehr zu wünschen übrig lässt. Andererseits, wie soll man auch den gebotenen Respekt aufbringen, während man gerade mit einem entpersonifizierten Avatar von „Waldi69“ chattet? Ein persönliches Gespräch ist halt durch nichts zu ersetzen.

Soll jeder davon halten, was er möchte, mein Fall ist das nicht und mit Kommentaren der Qualitätsstufe „suuuper B+W„, „versuch mal lieber HDR„, oder „schmeiß wech!“ kann ich persönlich nicht allzuviel anfangen und ich möchte das auch jetzt nicht weiter vertiefen, denn ich schweife etwas vom eigentlichen Thema ab.

Erfahrungsgemäß schneiden Verwandte und Freunde traditionell ebenfalls in den meisten Fällen als kompetente Ratgeber eher schlecht ab, sei es, weil sie die eigene Leidenschaft nicht mit der gleichen Inbrunst teilen oder weil sie zu befangen sind und nicht verletzend wirken wollen, indem sie negative Kritik üben. Tja, nur leider ist es inzwischen zur Binsenweisheit geworden: Lob kann süchtig machen und es besteht in gewisser Weise die Gefahr, dass man seinen eigenen künstlerischen Weg aus den Augen verliert und unbewusst einem „Markt“ zuarbeitet, dessen Wertschätzung man sich am Ende sicher sein kann. Binsenweisheit Nummer zwo: nur ehrliche, konstruktive Kritik bringt die persönliche Entwicklung voran, aber die erfordert natürlich ein entsprechendes Maß an Nehmerqualitäten beim Kritisierten. Nun gut, es muss ja auch nicht gerade der berüchtigte „Scheiße-Stempel“ sein…

Was also tun, wenn man eine fundierte Bildkritik zu einer seiner Arbeiten bekommen möchte? Nun, wenn man bereit ist, für eine professionelle Dienstleistung Geld auszugeben, wäre vielleicht das folgende Modell eine denkbare Alternative:

eine professionelle Bildbewertung von seen.by

Dieses Modell ist noch recht neu auf dem Markt und war mir in dieser Form voher noch nicht bekannt. Dabei unterscheidet es sich erheblich von anderen Bewertungsmodellen wie z.B . den sehr lesenswerten Rezensionen von Dr. Thomas Brotzler auf der Seite fokussiert.com , die ich persönlich für beispielhaft halte, weil man spürt, dass sich jemand sehr ernsthaft und fundiert mit jedem einzelnen Bild auseinandersetzt. Ich habe es selbst noch nicht ausprobiert, weil ich mir vorstellen kann, dass die Warteliste bei solch einer Gratisdienstleistung entsprechend lang ist und ich keine Lust hatte, darauf warten zu müssen, irgendwann zufällig aus dem Lostopf gezogen zu werden. Trotzdem finde ich die Beiträge an sich sehr lesenswert, denn die Rezensionen sind detailiert, manchmal auch überraschend und dabei immer auf einem angenehm hohen und anspruchvollem Niveau.

Zurück zu dem Modell von seen.by:

Das Prozedere ist einfach, man lädt ein Bild mit angehängten Exif-Daten hoch, zahlt bequem per Lastschrift oder Paypal und erhält innerhalb von 5 Werktagen seine persönliche Bildkritik in Form einer PDF-Datei. Meine wurde von dem Fototrainer und Autoren Georg Banek ausgearbeitet, der auch zu Beginn der Bildkritik näher vorgestellt wird.

Obwohl ich mir im Vorfeld etwas unsicher war, ob mir das Ergebnis in seiner Form überhaupt liegen würde, habe ich einen Versuch gewagt und zum Einführungspreis von 20€ eine Bildkritik angefordert. Dabei war mir wichtig, nicht eines meiner liebsten Kinder zu opfern, sondern habe für den ersten Versuch bewusst ein Bild gewählt, mit dem ich selbst noch nicht so ganz im Reinen war: fehlende Mitteltöne, die einer agressiven Schwarzweißumwandlung zum Opfer gefallen warer, sehr steiler Kontrast, insgesamt sehr digital anmutend und dazu eine etwas problematische Bildkomposition, kurzum: eine Baustelle, der es noch etwas an Feinarbeit in der digitalen Dunkelkammer fehlte.

architektonische Details aus der Ära des Jugendstils – Location: Hochzeitsturm auf der Mathildenhöhe in Darmstadt - fuji x-pro 1 mit Fujinon XF 23mm F1.4 R @ f=14 – 1/200sec - ISO 200

architektonische Details aus der Ära des Jugendstils – Location: Hochzeitsturm auf der Mathildenhöhe in Darmstadt – fuji x-pro 1 mit Fujinon XF 23mm F1.4 R @ f=14 – 1/200sec – ISO 200

Ich war also gespannt: würden diese bewusst gesetzten Stolpersteine zur Sprache gebracht werden oder würde man mir im Sinne einer nachhaltigen Kundenbindung Honig ums Maul schmieren? Schließlich bedeutet ja diese Form der Dienstleistung eine gewisse kaufmännische Gratwanderung. Lobhudelei ist vielleicht Balsam auf so manche Fotografenseele und bindet den Kunden langfristig, verfehlt aber natürlich am Ende völlig das Ziel. Fällt die Kritik dagegen allzu harsch aus, beendet man unter Umständen die gerade entstehende Geschäftsbeziehung, bevor sie überhaupt erst so richtig begonnen hat.

Gravity PDF

Lange Rede kurzer Sinn, da war sie nun – meine erste angeforderte Bildbewertung von seen.by!

Ob seen.by bei meiner persönlichen Bildkritik die richtigen Mitteltöne gefunden hat und welche Meinung ich mir abschließend zu dem Thema gebildet habe, darüber berichte ich dann demnächst im 2. Teil.

Ein Gedanke zu „Professionelle Bildbewertungen von seen.by / Teil 1

  1. Pingback: Professionelle Bildbewertungen von seen.by – Rezension einer Rezension / Teil 2 | Mitteltöne

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