Hervorgehobener Beitrag

about

Zu meiner Person: Jahrgang 1970, Handwerksmeister aus Hagen in Westfalen.

Ich fotografiere seit nunmehr über 30 Jahren und bin nach wie vor mit Leidenschaft bei der Sache. Dabei bin ich fast 100%iger Autodidakt und nach wie vor bereue ich es nicht, dass ich diese Leidenschaft nie zum Beruf gemacht habe. So genieße ich die Freiheit und bezeichne mich selbst als Amateur im besten Wortsinn.

Meine fotografischen Schwerpunkte haben sich mittlerweile herauskristallisiert und gefestigt. Auch equipmentmäßig glaube ich mittlerweile angekommen zu sein. Doch dazu vielleicht in einem zukünftigen Beitrag mehr… Obwohl, wenn ich ein wenig genauer drüber nachdenke, fehlen vielleicht doch noch ein, zwei Kleinigkeiten… 😉

Hervorgehobener Beitrag

Noch ein Fotoblog…

…mag so mancher stöhnen, aber immerhin ist dieser hier mein eigener, ganz privater!

Fotografen sind auch irgendwie nur Menschen, jedoch steht mal eines fest: es sind immer ganz eigene Individuen, die sich auf unterschiedlichste Art und Weise (sinnvoll) mit ihrer Umwelt auseinandersetzen.

Vom Technik-Aficionado, über den nüchternen Profi bis hin zum entrückten Asketen – für jeden ist das Passende dabei und jeder findet in der Fotografie seine persönliche Wohlfühlzone.

Manch einer sucht auch einfach nur das schöne Bild, ganz für sich allein. Wenn es dann anderen gefallen sollte – um so besser! Der Wettbewerbsgedanke ist ihm dabei eher fremd, er sucht die Entspannung und den Ausgleich. Das Hantieren mit feinen Instrumenten, das Warten auf die richtige Lichtstimmung, das Einfangen und Konservieren des Momentes und die kindliche Vorfreude beim Ausdrucken des Ergebnisses sind ihm legitime Beweggründe, ein Leben lang dieser Leidenschaft nachzugehen.

Sollte ich mich in eine Kategorie einordnen müssen, so ist es mit absoluter Sicherheit die Letztgenannte!

Dabei maße ich mir mit Sicherheit nicht an, allwissender Experte zu sein. Irgendwo gibt es immer jemanden, der noch tiefer im Thema ist, aber vielleicht hat ja meine Vorgehensweise für den ein oder anderen etwas beispielhaftes, kann ihm helfen und ihn inspirieren oder es entsteht ein reger Dialog zu einem Thema, von dem auch ich dann wiederum profitieren und meine Kenntnisse ausbauen kann.

Denn eines ist klar: sich das Handwerk der Fotografie autodidaktisch anzueignen, ist wahrlich kein leichtes Unterfangen, sofern man den inneren Anspruch besitzt, ein gewisses handwerkliches oder künstlerisches Niveau zu erreichen. Stolpersteine auf diesem Wege gibt es viele und allzuleicht läuft man Gefahr, sich im Dschungel der technischen Möglichkeiten zu verlaufen oder Geld zu verbrennen für Dinge, die zwar dem Ego schmeicheln aber für eine Weiterentwicklung eigentlich überflüssig oder u.U. sogar contraproduktiv sind.

Dabei ist die digitale Revolution in der Fotografie in meinen Augen sicherlich Fluch und Segen zugleich.

Ist die Lernkurve am Beginn noch recht steil, weil man durch moderne Kamerasysteme mit ausgefeilten Belichtungsprogrammen, Autofokusunterstützung, billigen Speichermedien und der unmittelbaren Kontrollmöglichkeit per Display, sofortige Rückmeldung über Erfolg bzw. Misserfolg erhält, sah das in den „guten alten“ Analogzeiten noch ganz anders aus.

Da gab es in der Regel einen Filmstreifen mit 12, 24 oder 36 Aufnahmen, der bei unsachgemäßer Handhabung auch schon mal komplett in die Mülltonne wanderte. Für einen Schüler mit eher spärlichem Taschengeld eine nennenswerte Katastrophe, die erstmal verdaut werden musste. An ausführliche Testreihen war in diesem Zusammenhang selbstverständlich gar nicht zu denken.

Umso wertvoller waren dann aber natürlich auch die wenigen gelungenen Ergebnisse, die später ihren Weg in die abendlichen (und in der Verwandtschaft gefürchteten) Diavorführungen fanden. Magische Momente waren das. „Aufm Kopf!!“, „N bischen düster, aber sonst ganz nett, was soll das denn überhaupt darstellen?“, „Häh? Spiegelverkehrt? Och nö, die waren ja alle falsch rum, Nochmal!“

War früher vielleicht der Diaprojektor ein ernstzunehmender Gegner, der bezwungen werden wollte, muss man sich heute dagegen an vielen Fronten bewähren, um wirklich Ergebnisse zu erzielen, die das Potential haben, sich aus der Bilderflut zu erheben und so mancher unterschätzt vielleicht, dass es eben nicht nur das Upgrade auf das aktuellste Kameragehäuse ist, sondern dass der gesamte Technikballon drum herum auch homogen mitwachsen muss.

Neben der sicheren Beherrschung der Kameratechnik muss man sich fachlich eben auch intensiv mit der technischen Peripherie auseinandersetzen. Das sichere Anwenden von Bildbearbeitungs- und Archivierungsprogrammen ist in dem Zusammenhang genauso unverzichtbar, wie das Wissen um die Wichtigkeit eines guten kalibrierten Monitors und wenn man einen qualitativ guten Ausdruck machen möchte, wird man schmerzlich erfahren müssen, dass der gute alte Bürodrucker doch recht schnell an seine Grenzen kommt. Zum vernünftigen Digitalisieren analoger Negative gehört neben einem guten Scanner eben auch eine vernünftige Scanner-Software, die man sich extra anschaffen muss und die auch extra zu Buche schlägt.

Auch wenn es nur darum geht, die eigenen Werke im WWW zu präsentieren oder in sozialen Netzwerken zu teilen, all das muss erlernt und unterhalten werden. Die Summe aus all dem kann einem im Endeffekt schlicht und einfach die Zeit rauben, die man besser mit der eigentlichen Sache, der Schulung seines Auges – sprich: dem Fotografieren – verbringen sollte.

So manchem geht dabei auch komplett die Laune flöten, was natürlich sehr schade wäre.

Mag sich jeder sein eigenes Urteil bilden, ob die Fotografie durch den digitalen Umbruch letztlich wirklich leichter geworden ist. Meine Meinung dazu ist ein klares „jein“!

Ob virtuose Dunkelkammerarbeit oder große Photoshop-Kunst, alles will auf seine Art erlernt werden. Grenzen setzen hier nur der innere Antrieb und der eigene Zufriedenheitslevel.

Dieser Weg ist auch für mich sicherlich noch lange nicht zu Ende, auf der anderen Seite macht natürlich gerade das auch den Reiz aus. Vielleicht trägt auch dieser Blog und der vielleicht durch ihn entstehende Kontakt zu Gleichgesinnten dazu bei, Licht in so manches Dunkel zu bringen.

Dann wäre für mich schon eine wesentliche Aufgabe erfüllt.

Dortmund im Sommer 2015

Meine Zweite – Teil 2

die „Panorama 6×17 ‚K2‘ – Fujinon“ – Teil 2

Ich muss ehrlich gestehen, nachdem meine selbstverantwortete „K-2“ bei Testfilm Nummer eins mit einer desaströsen Generalprobe glänzte, war ich doch ein wenig verunsichert, ob ich mir in meinem Eifer nicht vielleicht ein wenig zu viel vorgenommen hatte. Eine Lochkamera zu basteln ist eine Geschichte, eine Kamera um ein gegebenes Objektiv und ein Wunschformat herum zu konstruieren schon eine ganz andere – besonders, wenn man, wie ich, etwas gehobenere Qualitätsansprüche an die Bildergebnisse stellt.

Zur Erinnerung: die ersten 4 Bilder verblüfften den Konstrukteur durch das Vorhandensein multipler Bildfehler. Trotz aller handwerklichen Sorgfalt hatte sich eine, in der Laufnut des Schiebers befindliche, Haarfuge in die Konstruktion eingeschlichen, für fatales Fremdlicht gesorgt und ein interessantes, jedoch höchst unerwünschtes Zebramuster auf dem Filmstreifen produziert. Bild 1 – eigenartigerweise nicht fremdlichtbetroffen – war generell etwas weich und unscharf, was auf einen Fehlfokus deuten ließ und die eigenartige Verzeichnung in der rechten oberen Bildecke konnte ich mir nur durch mangelnde Planlage des Filmstreifens erklären. Schließlich steht der Florian (der Dortmunder Fernsehturm, Anm. d. Autors) an der linken Bildkante ja schön senkrecht, wie man das bei einem waschechten Westfalen auch erwarten darf.

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Bild 1/ Film 1 – Grundlage einiger Stunden an Nacharbeit…

Das wirkte erstmal alles sehr komplex und entmutigend und fast hätte ich auch ein wenig die Lust am Gesamtprojekt verloren, weil direkt gleich mal mehrere Schwierigkeiten, die es zu lösen galt auf mich eintrudelten. Wenn’s kommt, dann kommt’s halt knüppeldicke, aber wenn man im Handwerk eines lernt, dann das, dass Aufgeben generell keine Option ist und dass es im Endeffekt für jedes Problem auch eine irgendwie geartete Lösung gibt. Klingt pathosbeladen, ist aber so. Ein „ich glaube, das ist mir hier ne Nummer zu groß“ akzeptieren weder Architekt, noch Kunde, noch Brötchengeber. Das lernt man schon als junger Geselle, wächst mit seinen Aufgaben – sollte man zumindest, wenn man sein Gewerk wirklich ernst nimmt – und am Ende muss immer ein Ergebnis stehen – notfalls auch die B-Lösung. Also: beißen und – herrgottnochmal – logisch denken!

Meine bevorzugte Strategie in solchen hoffnungslos scheinenden Situationen ist, dass ich das Ganze dann nicht als Problem, sondern als Herausforderung sehe. Und was macht der Meister, wenn er vor einem schier unlösbaren Pro  vor einer großen Herausforderung steht und gleichzeitig aber auf der großen Bühne sein Gesicht wahren muss? Genau! Er fegt erstmal die Bude! Fegen ist ein Automatismus, bei dem man sich herrlich Zeit zum Nachdenken verschaffen kann. Man wirkt ungemein geschäftig, brütet aber insgeheim mit Hochdruck über etwas ganz anderem. Die Außenwirkung strahlt Dynamik aus, aber eines gewiss nicht: Verzweiflung – wichtig für die Moral der Truppe und natürlich für die eigene (ich plaudere hier gerade schamlos aus dem Nähkasten, Leute!).

Problem  Herausforderung Nr. 1, das Thema Fehlfokus, konnten durch rhythmisches Werkstattfegen und etwas Logik zügig bewältigt werden. Dass das Abbild auf der Mattscheibe gestochen scharf war, auf der späteren Aufnahme hingegen butterweich, konnte nur bedeuten, dass Mattscheibe und Filmebene nicht synchron lagen. Eine sofort eingeleitete Prüfung ergab, dass ich im Fertigstellungseifer die Mattscheibe schlicht verkehrt herum eingebaut hatte. Die mattierte Fläche gehörte eindeutig nach innen – Momente der Erkenntnis, in denen man sich selbst am liebsten kraftvoll auf die Schulter klopfen möchte…

Trotzdem verblüffend, was 1,5 mm für einen Unterschied ausmachen. Das Großformat zeigt sich hier unbarmherzig – Pfusch am Bau wird sofort gnadenlos aufgedeckt.

Bild 1/ Film 2

Bild 1/ Film 2


Bild 2/ Film 2

Bild 2/ Film 2


Bild 3/ Film 2

Bild 3/ Film 2


Bild 4/ Film 2

Bild 4/ Film 2

Bildschärfe, Planlage, Lichtdichtigkeit – so langsam kommen wir ins Geschäft! Die vier Aufnahmen der zweiten Testrolle wurden jeweils mit Blende 8 und 22 gemacht, ohne dabei die Entfernungseinstellung zu verändern. Beim ersten Bildpaar hatte ich den Fokus auf den Geländerpfosten im Vordergrund gelegt (Distanz ca. 2 m), beim zweiten Pärchen auf den Schriftzug auf dem Asphalt (Distanz ca. 3 m). Läuft!

 

Bei den nun noch verbliebenen Problemen, Lichtleck und Planlage, war durch Werkstattfegen alleine nichts zu reißen. Ich gebe zu, dass ich darüber erstmal ’ne Nacht schlafen musste. Zwischen Schieber und Filmebene war schlicht zu wenig Bauraum für einen Niederhalter. An eine komplette Neukonstruktion der Magazine war nicht zu denken, weil eine Verlagerung der Filmebene nach hinten, um Platz zu schaffen, zwangsläufig auch ein Versetzen der Optik mit sich gezogen hätte. Außerdem war für meinen Geschmack schon viel zu viel Arbeit in die beiden Teile geflossen, als dass ich sie komplett hätte aufgeben wollen. Teufelskreis! Schieber weiter nach vorn? Ging auch nicht, da war schon das Kameragehäuse. Hier war genauso wenig Platz und mir dämmerte die Erkenntnis, wieder einmal viel zu eng gebaut zu haben. Gedankengänge, die sich festfahren. Zum Verzweifeln das Ganze!

Wann und woher am nächsten Morgen der rettende Gedanke kam, möchte ich hier vor Publikum nicht weiter ausführen, aber manchmal muss man einfach mal quer denken. Ein Blick auf das mehrlagige (!) Toilettenpapier an der Wand stimmte mich nachdenklich. Nur mal so ins Unreine gedacht: was wäre, wenn der Schieber gleichzeitig auch der Niederhalter für den Film wäre? Dann könnte der Niederhalter ja gleichzeitig vielleicht die Funktion der Maske für das Wunschformat übernehmen?! So entwickelte sich peu á peu die vage Idee des zweilagigen Multifunktionsschiebers und die Gesamtkonstruktion schien gerettet.

Halleluja!

 

Filmmagazin

Innenansicht eines Filmmagazins – davor die beiden Hälften des Schiebers

Aus einem vormals 2mm dicken Schichtstoff sollten nun also zwei gegeneinander verschiebbare 1mm dicke Schichten werden. Doch welches Material wäre bei einer Materialstärke von maximal einem Millimeter stabil genug, um als Niederhalter den Film niederhalten zu können? Was anderes als Edelstahlblech kam mir dafür spontan nicht in den Sinn. Die Rettung kam in Form einer alten Dunstabzugshaube. Deren Blechstärke erwies sich als ideal und war auch mit Stichsäge und Feile in erträglichem Aufwand in Form zu bringen und so habe ich nun mit der Änderung eines Bauteils gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen können.

„Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann!“  – Francis Picabia – Schriftsteller, Maler

„Der Kopf ist nicht zum Kacken da!“  – Klaus Dieter A. – Tischlermeister, Innungsobermeister

„Sauna fertig, Meister!“ – Thomas Freitag – Kabarettist (aus: Polen am Bau)

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So, jetzt aber genug der Selbstbeweihräucherung und der langen Texte! Wie beschrieben stand ich in der Bauphase ein ums andere mal der Panik und das Projekt einem sudden death bedrohlich nah, deswegen sprechen ab jetzt hoffentlich nur noch die Bilder! Zurück zur Kernkompetenz also…

Meine Zweite!

die „Panorama 6×17 ‚K2‘ – Fujinon“ – Teil 1

Mittlerweile existiert bereits die zweite funktionsfähige Kamera aus heimischer Produktion – während der Bauphase von mir liebevoll „The Thing“ genannt. Wenn es jedoch nach dem Nomenklaturdiktat meines wertgeschätzten Kollegen und Freundes Professor F. Gustrau ginge, müsste ich sie eigentlich „K-2“ taufen. Nun, so sei es also…

 

K-2

on location – „first light“ für die K-2

 

Irgendwie muss ich wohl Blut geleckt haben, was das Selberbauen von „photographischen Apparaturen“ angeht. A) macht mir das Austüfteln von technischen Lösungen Spaß, B) ist das Erfolgserlebnis, wenn etwas wie geplant funktioniert, außerordentlich befriedigend und C) pegeln sich meine Ausgaben für sonstiges Kameraequipment gerade auf einen äußerst vernünftigen Level ein. Man ist ja anderweitig sinnvoll beschäftigt.
Dass auf meine Pinhole-Panoramakamera Josef K. irgendwann auch mal eine Version mit Objektiv folgen würde, war mir schon recht schnell nach deren Fertigstellung klar. Alle Unsicherheiten waren mittlerweile verflogen, ob ein derartiges Projekt für mich mit den Mitteln des Holzbaus überhaupt in der gebotenen Präzision umzusetzen sein würde. Mit einer Lochkamera zu beginnen war daher eine gute Übung, bei der ich viele wertvolle Erfahrungen sammeln konnte. Außerdem verzeiht das Lochkameraprinzip auch mal die eine oder andere kleine Unsauberkeit – außer vielleicht in puncto Lichtdichtigkeit. So blieb mir einiges an Frust und Irrwegen erspart und durch den Erfolg fühlte ich mich nun also bereit für die nächste Stufe der Erkenntnis. Diesmal sollte es auf jeden Fall ein Linsengericht geben und – um es vorweg zu nehmen – es hat noch nicht alles so funktioniert, wie ich es mir erhofft hatte! Bei einer Kamera mit optischem System gelangen wir doch schon in ganz andere bastlerische Sphären als mit einer Lochkamera. Salopp gesagt hobeln wir hier schon ein ganz anderes Brett und verabschieden uns an dieser Stelle auch offiziell von dem Begriff des ‚Bastelns‘. Die Fehlertoleranz geht Richtung Null und ein wenig Fehleranalyse und etwas Nacharbeit werden mir wohl bei meinem Erstlingswerk nicht erspart bleiben. Doch davon später noch ausführlicher.

 

K-2

„the thing“

 

Die Idee, es mal mit einem Großformatobjektiv auszuprobieren, hat sich letztlich als Königsweg erwiesen: Blenden- und Verschlusszeitensteuerung inklusive B und T, Drahtauslöseranschluss und nicht zuletzt der enorme Bildkreis bei gleichzeitig noch moderatem Auflagemaß machten das Fujinon NSW 90mm f/8 EBC zur idealen Ergänzung. Alle erforderlichen Daten zu alten Großformatobjektiven lassen sich problemlos im Netz beschaffen – alles in allem also perfekte Startbedingungen! Einzig mit der Umsetzung der Fokussiermechanik hatte ich dann zwischenzeitlich die ein oder andere Nuss zu knacken. Die Fokussierung wird nämlich nicht, wie zum Beispiel bei Kleinbild, durch Drehen am Objektiv gesteuert, sondern die gesamte Optik muss zum Scharfstellen vor und zurück geschoben werden. Ganz ursprünglich war, um die Konstruktion so einfach wie möglich zu halten, deswegen mal eine Fixfokusversion geplant, bei der ich das Objektiv fest in einer plausibel klingenden Hyperfokaldistanz fixiert hätte. Irgendwie scharf von 2m bis Unendlich bei Blende X und ich wäre schon happy gewesen. Ein befreundeter Großbildfotograf (lieben Gruß am Ralf) hat mich dann aber doch recht schnell davon überzeugen können, dass so eine Lösung nix Halbes und schon gar nix Ganzes ist und so musste ich mir mitten in der heißesten Bauphase noch eine praktikable Lösung überlegen, die Optik kontrolliert und ruckelfrei vor- und zurückbewegen zu können (bei gleichzeitiger Einhaltung der Planlage zur Filmebene selbstverständlich).

 

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Detailansicht des Fokushebels

 

Ein improvisierter Kasten mit Butterbrotpapier als Mattscheibenersatz brachte die Erkenntnis, dass der Verstellweg von Unendlich bis in den Nahbereich bei meinem Objektiv bei lediglich 2 cm liegen würde. Das war bedeutend harmloser als ich in meiner Unwissenheit angenommen hatte und eine technische Lösung schien somit möglich.
Einen Balgen selbst zu fertigen, kam für mich erstmal nicht in Frage, weil ich das ganze Unterfangen nicht zu einem Mondlandungsprojekt ausarten lassen wollte.
Fertigkonfektionierte Balgenauszüge waren wegen des exotischen Panoramaformats adhoc nicht in den erforderlichen Abmessungen zu bekommen und eine Tilt-Funktion (also die Möglichkeit des Verschwenkens) war eh nie geplant. Die Option, vertikal shiften zu können, sollte für eine Landschaftskamera erstmal völlig genügen. Außerdem machte die Fokussierung ja schon zwingend die Fertigung einer Einstellmattscheibe erforderlich – man will ja schließlich auch live sehen, auf wen und was man da gerade überhaupt scharfstellt. Noch ein Problem mehr, das es zu lösen galt aber auch das Mattieren von Glas erwies sich am Ende als banaler als erwartet: einen Glasschneider, etwas Siliziumkarbidpulver Körnung 400 vom Steinmetz und einen Billigbilderhalter für 3.98 € aus dem Baumarkt – et voilá – mehr braucht es nicht und die „Mühe“ wird mit einer preiswerten aber dennoch vorzüglichen Mattscheibe belohnt. Hier leistet sich das Fujinon dann auch seine einzige nennenswerte Schwäche: die recht geringe Anfangsöffnung von Blende 8 sorgt für ein ziemlich düsteres Sucherbild. Da wird in der Praxis wohl ohne das klassische schwarze Einstelltuch überm Kopf wenig bis gar nichts gehen – also ein weiterer Schritt mehr zurück in die Anfangstage der Lichtbildnerei 😉
An diese Ära erinnert natürlich auch grundsätzlich das Arbeiten mit dieser speziellen Apparatur. Dass wir es hier mit dem exakten Gegenteil einer robusten Actionkamera zu tun haben und dass es bei plötzlich einsetzendem Regen vermutlich zu panikartigen Übersprungshandlungen des Maschinisten kommen wird, versteht sich wohl von selbst. Es war aber auch nie erklärtes Ziel des Projekts, etwas wie „High-End“ zu erreichen. Ich wollte vielmehr ein Instrument erschaffen, das meiner persönlichen Arbeitsweise entgegen kommt. Das Erarbeiten des Motivs (Stichwort: Prävisualisierung), das Ritual des Aufbauens, Einstellens und der Feinjustierung (an Knöpfchen drehen, an Hebelchen schieben) und letztendlich die Reduktion auf das Essentielle in der Fotografie waren mir Hauptmotive für den Bau der „K-2“ Und somit gibt es an ihr letztenendes auch keinen überflüssigen Schnickschnack. Verzichtbar gewesen wären allenfalls noch die Wasserwaage, die Shiftfunktion und im äußersten Fall die Mattscheibe. Alles andere lässt sich auf die grundlegenden Notwendigkeiten der Bilderzeugung zurückführen.

 

K-2

Mattscheibe (links) und K-2 mit angesetztem Rollfilmmagazin

 

Vorausschauenderweise hatte ich die „K-2“ von Anfang an als Modulbauweise mit der Möglichkeit, Wechselmagazine zu betreiben, konzipiert. So lassen sich die Dinge notfalls ändern, sollte sich mal etwas in der Praxis nicht bewähren oder wenn es darum geht, im Falle eines Falles ein defektes Bauteil tauschen zu müssen. Ein Totalversagen war somit ausgeschlossen. Das Filmmagazin gegen einen Rahmen mit Mattscheibe auszutauschen war also konstruktiv auch kein Problem. Somit ist das Ergebnis am Ende doch eine ganz runde Sache geworden. Eine Naheinstellgrenze von einem guten halben Meter soll fürs Erste mal genügen und ich kann für die Fototour bequem zuhause zwei Magazine für insgesamt 8 Aufnahmen vorbereiten, ohne dann mittendrin auf freiem Felde die Filmrolle wechseln zu müssen. Da ich das Arbeiten mit dieser Kamera – wie oben schon angedeutet – als eher „methodisch/ bedacht“ bezeichnen würde, sollte das für einen ausgedehnten Arbeitstag absolut ausreichend sein. Ein Mix aus SW- und Farbfilm ist natürlich auch denkbar – Magazine mit lichtdichten Schiebern sei Dank!

Die ersten Ergebnisse auf Ilford FP4+ zeigen sich schon mal recht vielversprechend, wenngleich es scheinbar noch irgendwo ein Lichtleck der exotischen Art zu geben scheint. Das bei Ebay gebraucht geschossene Fujinon NSW 90mm f/8 mit seiner EBC-Vergütung scheint zumindest ein guter Fang zu sein. Mit seinem Gebrauchtpreis von etwas mehr als 200 € würde ich es angesichts seiner optischen Leistung durchaus noch als Schnäppchen bezeichnen. Ein Glücksgriff für den unbedarften Neuling also.

 

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Kategorie: Bildfehler, die die Welt nicht braucht…

 

Wegen des Lichtlecks sind die Bilder 2 bis 4 der ersten Filmrolle leider nicht wirklich vorzeigbar. Ich tippe auf eine Haarfuge am Schieber, durch die sich Licht einschummelt und das Zebramuster entsteht wahrscheinlich beim Weiterkurbeln mit der Transportschraube: drehen – umgreifen, drehen – umgreifen, usw. Dafür keimt bei Bild 1 Hoffnung für die Zukunft auf. Komischerweise kam dieses fehlerfrei aus dem Entwickler und das Lichtleck macht sich hier überhaupt nicht bemerkbar!? Rätselhaft. Der Sache muss ich jedenfalls nochmal genauer auf den Grund gehen.

 

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„far away from perfect“ aber Hoffnungsträger für die Zukunft – das absolut allererste (und bis dato einzige) Bild der „K-2“

 

Die einzige gelungene Aufnahme der ersten Rolle reißt einen zwar auch noch nicht komplett vom Stuhl, aber eine 1:1-Reproduktion mit einem Makroobjektiv offenbart zumindest ansatzweise das zu vermutende Potenzial der Optik und des großen Negativs. Hierbei lässt sich schon mal erahnen, warum Wim Wenders nicht davor zurückschreckt, seine Mittelformat-Panoramen in einer Größe von 1,7 mal 4 Metern zu präsentieren.

 

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Hier fehlt es eindeutig noch an Grundschärfe. Eine Ursache liegt wahrscheinlich darin, dass ich Testaufnahme 1 bei Offenblende (f/8) durchgeführt habe und dass das Auflagemaß der Optik noch nicht hundertprozentig stimmt. Da muss ich wohl noch einmal den Messschieber ansetzen und prüfen, ob Mattscheiben- und Filmebene synchronisiert sind. Ein Problem der komplexeren Art ist dagegen die tonnenförmige Verzeichnung, die man rechts an der Gasometer-Hülle erkennen kann. Ich fürchte, hier liegt der Fehler weniger bei einer schlechten Optik sondern vielmehr an mangelnder Planlage des Filmstreifens. Wie ich das Problem lösen werde, ist mir momentan noch nicht ganz klar, aber wenn ich eine Disziplin beherrsche, dann die, dass ich mich an einem „Problem“ so richtig festbeißen kann. 😉

Wie dem auch sei, durch die Eigenleistung des Bauens und dem konsequenten Einsatz von Holzresten und preiswerten Aluminiumprofilen aus dem Baumarkt konnte ich die Materialkosten (inklusive Optik!) deutlich unter 350 € halten. Soviel würde ein 3D-Druckdienstleister im Übrigen schon alleine für ein Wechselmagazin aus ABS-Kunststoff verlangen, ein fertiges Filmmagazin aus China schlüge mit ca. 600 € zu Buche und mit einem vergleichbaren Komplett-Set von Linhof lägen wir dann schon vermutlich deutlich in einer 5stelligen Preiskategorie. Da such‘ ich doch gerne mal einen Abend lang nach dem Lichtleck. Außerdem war durch „low budget“ am Ende noch ausreichend Luft für ein paar Rollen Film und ein adäquates, sicheres Heim für die neue Schöne:

 

K-2

ready to go…

Konstruktive Merkmale

– Speziell auf die Landschaftsfotografie im Querformat abgestimmte Panoramakamera
– Modulbauweise ermöglicht den Austausch der Einstellmattscheibe gegen vorgeladene Filmmagazine
– Effektives Bildformat 6×17 cm auf Rollfilm 120, 4 Aufnahmen pro Filmrolle
– Gehäuse: Aluminiumchassis mit Anbauteilen aus geräuchertem, geöltem Eichenholz und schwarz durchgefärbter MDF
– Objektiv: Großformatobjektiv Fujinon NSW 90mm f/8 EBC mit Copal #0-Verschluss
– Brennweitenäquivalent (hor.): 21,5mm KB
– Fokus: Schubkastenprinzip, Verstellweg zwischen den Totpunkten ca. 20 mm
– Shift: vertikal +/- 12,5 mm
– Nivellierlibelle
– Manfrotto-Schnellwechselplatte für Getriebeneiger
– Drahtauslöser, feststellbar
– Verschlusszeitenbereich: 1 – 1/500 s, B und T
– Blendenbereich: f/8 – 45
– Naheinstellgrenze: ca. 50 cm
– Abmessungen (H/B/T): 178/297/138 mm
– Gewicht: 2.150 g (Gehäuse inkl. Objektiv und Filmmagazin
– Gewicht komplett: 11.950 g (tourfertig inkl. Stativ, Getriebeneiger, 2 Magazinen und Hardcase)
– Bauzeit: bis dato ca. 80 Stunden (exkl. Planungszeit und Fehlerbehebung)

 

Teil 2 folgt in Kürze…

 

 

 

Meine erste Selbstgebaute…

Meine erste Selbstgebaute…

…oder: warum tue ich mir das an, wo es doch soviel tolles Kameragedöne zu kaufen gibt?

 

Entwurf A

Erster Grobentwurf

Meine Rückbesinnung auf die analoge Langsamkeit treibt gerade recht seltsame Blüten. War die Fotografie für mich bis Dato in erster Linie Entspannung und willkommener Contrapunkt zum Berufsalltag, versuche ich seit einiger Zeit beides – Passion und Profession – miteinander zu verbinden und quasi in eine Art harmonische Balance zu bringen. Heißt mit anderen Worten: ich baue mir gerade meine Kameras selbst!

Die persönlichen Gründe dafür sind vielfältig: rapide nachlassende Technikeuphorie, die oftmals vorhandene Sterilität und Seelenlosigkeit digitaler Bilder aber auch die inflationäre Zunahme virtueller Realitäten und Sensationslandschaften – rechnergenerierte Hochdynamik, technisch machbar aber unrealistisch hoch 10: „Woah! Nächstes. Woah! Nächstes…!“ Endlosschleife. Ein einziges Sich-gegenseitig-übertreffen-wollen. Das nervt auf Dauer und man verlernt vor lauter Scrollen das Verweilen, ein Bild zu genießen, oder sich ernsthaft mit ihm auseinanderzusetzen.

 

Entwurf A

Die rückwärtige Ansicht im geschlossenen Zustand

Entwurf A

Die rückwärtige Ansicht mit geöffnetem Filmfach

 

Ein Hauptgrund aber liegt wahrscheinlich darin, dass ich einfach irgendwann einmal aus dieser unsäglichen Kauf- und Nachkaufspirale ausbrechen musste. Machen wir uns doch mal nix vor: der Gegenwert für unser sauer verdientes Geld ist doch in aller Regel ein kurzlebiger, von asiatischen Industrierobotern zusammengelöteter und ausgestanzter Plastikschrott. Überteuert, marketinggehyped und schon am Tag der Markteinführung veraltet, weil die Pläne für das Nachfolgemodell (das, mit den noch viel tolleren Features natürlich) bereits im Firmentresor liegen. Feines Werkzeug, das einem mit den Jahren in die Hand wächst? Präzise, robuste Mechanik (!), edle Haptik? Lange und ruhig dahinfließende Produktzyklen? Gibt’s mit Sicherheit noch irgendwo, aber dann in Preiskategorien, bei denen ich über „Haben-wollen“ gar nicht weiter nachzudenken brauche. Sinnlichkeit, Amore, lang anhaltende Begeisterung? Wofür denn? Duroplaste? Thermoplaste? Schaltkreise? Blingbling-Displays?

Früher waren Kameras, Objektive, etc. mal Instrumente, die man mit einiger Gewissheit und entsprechender Pflege mindestens noch seiner Nachfolgegeneration vermachen konnte und das nicht zwangsläufig nur im obersten Preissegment. Nachhaltigkeit und Wertigkeit, davon rede ich. Ob meine Tochter nach meinem Ableben mit meiner EOS 6D noch munter weiterfotografieren wird, wage ich nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Mikroelektronik im Allgemeinen mal leise anzuzweifeln. Wahrscheinlicher ist, dass die Kunststoffe bis dahin schon lange mürbe geworden sind oder irgendwann mittendrin von jetzt auf gleich das Motherboard abraucht. Ob ihr das im Jahre des Herrn 2045 wohl noch jemand reparieren wird, schließlich ist es doch eine Erinnerung an den Herrn Papa? Wohl kaum…

 

Detail Filmtransport

Detail der Filmtransportschraube

Verschluss

Der Verschlussschieber Marke „Guillotine“ in Aktion

Verschluss

Innenansicht des Verschlusses

 

Abgesehen davon, wie kam es denn nun also zum DIY-Projekt? Nun, eigentlich gab es zwei initiale Auslöser: zum Ersten war da der höchst unterhaltsame Artikel des Fotografen Ralf Sänger in der SCHWARZ-WEISS-Ausgabe Nr 101 , in dem er über seine Faszination des Lochkamerabauens und der Wiederentdeckung der Langsamkeit in der Fotografie berichtet. Abkehr vom Perfektionswahn und meditative Entspannung – zwei Kernthesen des Artikels, die mich hellhörig werden ließen. Ein sehr überraschender Paradigmenwechsel eines ausgewiesenermaßen technisch höchst versierten und anspruchsvollen Analogexperten, wie ich fand. Mittlerweile kennen wir uns persönlich, habe mehr über seine Beweggründe erfahren dürfen und wir stehen seither im regen, freundschaftlichen Austausch.

Auslöser zwo war wohl der sehenswerte Filmbericht „Koudelka shooting Holy Land“ in dem Magnum-Ikone Josef Koudelka bei seiner fotografischen Arbeit an der israelisch/ palästinensischen Grenzmauer begleitet wird. Koudelka nutzte für sein Projekt „Wall“ gleich mehrere Panoramakameras vom Typ Fuji GX617. Dessen extremes Panoramaformat und die Kraft seiner Bildwirkung gefielen mir auf Anhieb so gut, dass ich mich umgehend auf die Suche nach diesem Kameramodell machte. Die Ernüchterung folgte auf dem Fuße: wenn überhaupt zu bekommen, liegen die Preise für gut erhaltene Exemplare eindeutig weit über meinem Budget. Die Suche nach Alternativen gipfelte dann irgendwann bei der Linhof Technorama 617, die allem Anschein nach sogar heute noch produziert wird. Hier würde dann wohl auch die oben beschworene Nachhaltigkeit und der Wunsch nach feinem Werkzeug aufs Vortrefflichste bedient. Heureka! Einziges Problem: ich bin weder Zahnarzt noch Rechtsanwalt. Für den Hobbyisten ist eine Investition von >10K € in einen derart speziellen Kameratypen einfach nicht zu rechtfertigen. Abbruch der Recherche!

Das Fazit: Koudelka zeigte mir, dass auch nach der Rente mit 70 ein erfülltes Fotografendasein möglich ist, aber um irgendwie zum Ziel zu kommen, führte am Selberbauen offenbar kein Weg vorbei und wie sich am Ende herausgestellt hat, ist es auch – zumindest im Bereich der filmbasierten Fotografie – kein Hexenwerk! Man sollte sich nur bewusst machen, wie wenig Technik es braucht, um ein fotografisches Bild zu erzeugen.

Das bildliche Ergebnis lässt sich dann mit Fug und Recht auf die handwerklichen Fähigkeiten des Fotografen (und des Kamerabauers) zurückführen.

 

Meine Erste  (Werksbezeichnung: „Panorama 6×17 – Edition Josef K.“):

Datei 18.06.17, 19 12 13

Und hier „on location“:

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Das Prinzip der Lochbildkamera hatte mich schon länger interessiert, jedoch ist bei den in Bastlerkreisen sonst so beliebten Streichholzschachtel- oder Reisekoffervarianten nie so recht der Funke auf mich übergesprungen. Ich hatte vielmehr den Anspruch, ein funktionierendes Werkzeug zu konstruieren, das auch meinen fotografischen Ansprüchen genügt und das habe ich eigentlich immer automatisch mit anspruchsvoller Feinmechanik und hoher Ingenieurskunst verbunden. Dass mein Beruf durchaus genauso die Grundvoraussetzungen bietet, ein derartiges Projekt erfolgreich umzusetzen, habe ich erst realisiert, als ich davon las, dass es Tischler waren, die in der Pionierphase der Fotografie für die Herstellung der erforderlichen Apparaturen verantwortlich zeichneten. Das hatte Charme und seitdem nimmt die Sache Fahrt auf…

 

Technische Daten der „Panorama 6×17 – Edition Josef K.“:

Prinzip: Lochkamera mit planliegender Filmebene für 120er Rollfilm

Bildformat: 6x17cm

4 mögliche Aufnahmen pro Einwegsensor

Bildwinkel: ca. 104° (Horizontal – entspricht dem Blickwinkel eines 14mm Objektivs an KB)

Bildweite: 66,5mm

Lochgröße: 0,3 mm (Skink Pinhole Classic Starter Kit f. Nikon F – modifiziert für übergroße Bildwinkel)

Fixfokus

errechnete Blende: f/218

Filtergewinde: 67mm

Korpus: Nussbaum/ schwarz durchgefärbtes MDF

Sucher: sucht man vergeblich (Peilmarken auf Gehäusedeckel müssen reichen, schließlich entsteht das Bild ja im Kopf)

Filmtransport: manuell

Filmstandsanzeiger: Schauglas

virtueller Horizont: Wasserwaage, analog

Verschluss: horizontal laufende Holzlamelle (Typ: Guillotine)

Stativanschluss: Manfrotto Schnellwechselplatte für Getriebeneiger MA 410

Hitech Formatt Filtersystem 100 adaptierbar

Gewicht (aufnahmebereit): 450 g

Bauzeit: ca. 50 Stunden (inkl. aller Irrungen und Wirrungen)

 

Dass man mit ihr auch ernsthaft fotografieren kann und die Bildergebnisse trotz Absenz aller erdenklichen Assistenzsysteme sogar verblüffend gut werden, beweisen die nachfolgenden Fotos der ersten Testrollen Tri-X, die ich entspannt bei einer Kanne Kaffee in Caffenol entwickelt habe:

 

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Borkum 8

 

 

Borkum 6

 

 

Borkum 11

 

 

Borkum 5

 

 

Nachsatz

Die Fotografie ist eine Passion, der man auf unterschiedlichste Art und Weise nachgehen kann. Jeder, wie er mag – sag ich bei mir. Auch kann beides, die Digitalfotografie und die filmbasierte, klassische Fotografie problemlos nebeneinander existieren. Beide haben ihre ureigenen Charakteristika, es gibt kein kategorisches Entweder-oder. Man kombiniere einfach das Beste aus beiden Welten. Eigentlich trage ich damit ja Eulen nach Athen, aber die Häufigkeit, in der ich mit einem gewissen skeptischen Unterton darauf angesprochen worden bin, ob ich ab jetzt „nur“ noch analog fotografiere, veranlasst mich, das noch einmal zu betonen. Ich habe der Digitalen Fotografie nicht abgeschworen – bin ja nicht komplett aus der Zeit gefallen. Aber wenn es um den meditativen Aspekt, den Emotionstransfer oder nur darum geht, mir die grundlegenden fotografischen Prinzipien bewusst zu machen, ist die analoge Basisarbeit und das Erlernen der traditionellen Techniken für mich das Mittel der Wahl.“

Darauf erstmal ein‘ Korn!

Brockhausen – revisited!

 

Brockhausen – revisited! A sentimental journey…

 

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Eigentlich war das Ganze als entspanntes Saure Gurken Zeit-Projekt gedacht:
mit einer gut 45 Jahre alten Spiegelreflex die Orte besuchen, an denen man sich vor gut 45 Jahren als Ohrenläufer so ´rumgetrieben hat, als i-Tüpfelchen mit einem Filmmaterial, das sich fast ebensolange auf dem Markt halten und in´s Digitale Zeitalter herüberretten konnte.
Zugegebenermaßen ist das alles etwas konstruiert, aber wenn ein wenig kreative Flaute herrscht, muss man sich halt selber sinngeschwängerte Aufgaben stellen.
Also eine Rolle Ilford in die olle FTb und auf nach Hagen-Vorhalle!

Aufgewachsen bin ich in einer Waschbeton-Platte und habe hier wider Erwarten eine wirklich unbeschwerte und glückliche Kindheit erleben dürfen. Vor der Türe der große Güterbahnhof, hinterm Haus direkt der Waldrand und drei Fahrradminuten entfernt die Ruhrwiesen und der Harkortsee. Für frei aufwachsende Bengel ein El Dorado, Verletzungen haben wir uns allerhöchstens selbst zugefügt. Die ganze Gegend war ein einziger Abenteuerspielplatz und Stubenhocken gab es faktisch nicht. Das Leben im Plattenbau hatte in den 70ern nichts anrüchiges sondern galt als chic und um Kontaktmangel brauchte man sich nicht zu sorgen.
Heutzutage scheint das Leben in so einer Satellitenstadt eher ein Synonym für den sozialen Abstieg und ein isoliertes Gettho-Leben zu sein, zumindest wenn ich nach dem Eindruck gehe, den ich bei meinem ersten Besuch nach ich-weiß-nicht-wieviel Jahren in meiner alten Siedlung hatte.
Eigentlich wollte ich nur mal neugierig nachschauen, ob es Dinge gibt, die sich aus meiner Kindheit bis heute erhalten haben. Irgendein Spielgerät, ein Name auf einem Klingelschild, bei dem es plötzlich >klick< macht und einen Erinnerungsflash auslöst. Auf das, was ich dann vorfand, war ich jedoch wenig vorbereitet und die Geschichte nahm mit einem Mal eine völlig andere Wendung.
Wie war das noch: „wenn Du kein Thema findest, warte ruhig ab, dann findet das Thema dich“? Mal sehen, was daraus entsteht…


Brockhausen – ne krasse Gegend bist du geworden!

 

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Alle Fotos: Canon FTb QL – diverse nFD-Objektive – Ilford HP5+ @ ISO 1600 – Entwickler: Spür-Sinn JOE

Voll Future…

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Da latsche ich neulich nach Aplerbeck (Ortsteil von Dortmund, Anm. d. Autors), die Kamera um den Hals und das Gewicht auf mein Einbeinstativ gestützt wegen des nächtlichen Blitzeises. Schweres Geläuf. Der Gehweg glatt wie die Sau, aber um mich herum eine neblig/ entmenschtliche Stimmung, die zarte Gemüter in Depressionen stürzen, mich als Fotografen dagegen restlos begeistern kann. Ich liebe das ja! Sonntagmorgens, kein Mensch außer mir auf der Straße. Nur ich im Pinguinschritt und im Kopf Gedanken wie „Oberschenkelhals-“ oder „Handwurzelbruch“, die ein wenig den inneren Fotografiermodus irritieren.

 

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Und wie ich da also recht unbeholfen die Hauptstraße `runtereiere, fällt mein Blick auf eine Litfaßsäule (sic!). Werbeplakate für Ü30- und Ü40-Partys interessieren mich in der Regel nicht die Bohne, deswegen fällt mein Blick eigentlich nie auf eine Litfaßsäule. Litfaßsäule – das ist so ein anachronistisches Relikt, das ich eher in das Berlin der 20er oder meinetwegen auch in das Recklinghausen der 50er einsortieren würde und wir schreiben ja immerhin das Jahr 2017. Fehlt mir nur noch eine passende Polizeirufsäule. Wie dem auch sei, was meine Aufmerksamkeit erregt, ist ein Plakat mit einem Totenschädel, der mir sofort merkwürdig bekannt vorkommt und tatsächlich – es ist der bekannte Schädel vom Plattencover des Albums „Oxygene“ von Jean Michel Jarre. Warum wird für ein gefühlt 40 Jahre altes Album mit elektronischer Musik plötzlich wieder so massiv Werbung gemacht? Mein Interesse war geweckt und bei näherem Hinsehen stellt sich heraus, dass man Werbung für den aktuellen dritten Teil der Oxygene-Trilogie betreibt.

 

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Und in diesem Moment der Erkenntnis gingen dann plötzlich meine Gedanken auf eine sentimentale Reise in die Vergangenheit.

Die Stücke aus dem ersten Album liefen früher in meiner Kindheit ab und an im Autoradio und diese Begebenheiten gehören mit zu meinen frühesten Kindheitserinnerungen: mein Vater und ich in unserem alten VW K70 auf dem Weg ins Sauerland zum Schlittenfahren. Manchmal lief da was von Pink Floyd, manchmal was von Kraftwerk oder eben auch das zweite oder vierte Stück aus dem ersten Oxygene-Album. Für mich als Zwerg war das so eine Art akustischer Science Fiction, fremdartig und verheißungsvoll. Irgendwie hat mich diese visionäre und dabei ungemein naive Zukunftseuphorie der 70er Jahre immer begeistert und irgendwie war diese Zeit auch voll davon. Die erste Frau, in die ich unschuldig verliebt war, war Prinzessin Leia aus dem Starwars-Epos. Halbe Sachen habe ich noch nie gemacht. Den Kinofilm gucken durfte ich zwar damals noch nicht, aber gleich neben den allgegenwärtigen RAF-Fahndungsplakaten hingen damals die mannshohen Kinoplakate mit den Starwars-Helden. Vor Chewbacca hatte ich immer ne Mordspanik, weil ich dachte, das wäre ein böses Monster, vor dem ich Prinzessin Leia beschützen musste und die starren Augen von C3PO haben mich damals auch bis in meine Albträume verfolgt. Dass das mit Starwars alles gar nicht so wild ist und dass es sich dabei um ein völlig harmloses Weltraummärchen handelt, habe ich erst viel später begriffen. Egal, alles wirkte irgendwie visionär, zukunftsbegeistert und in einer unaufhaltsamen Entwicklung begriffen. Die NASA schoss fleißig irgendwelche Voyager-Sonden ins All, die Mr. Spock und Käptn Kirk dann wiederfinden durften. Bei LEGO gab´s die passende Raumstation. Kubricks „2001“ habe ich wörtlich genommen und Flash Gordon für bare Münze. Bowie sang sein trauriges Lied über Major Tom, und wenn´s nach meinem alten Was-Ist-Was-Buch geht, müssten wir alle mittlerweile seit 17 Jahren in rotierenden Raumstationen oder unter Glaskuppeln auf dem Mars leben. Die mussten es wissen, das war schließlich Bildungslektüre, sobald man das Yps-Heft entwicklungstechnisch hinter sich gelassen hatte. Verbrennungsmotoren, fossile Brennstoffe, religiöser Fanatismus, Rassismus, Armut, Blitzeis? Alles Schnee von gestern und Jean Michel Jarre liefert den passenden Soundtrack für eine wahrgewordene Zukunftsvision, in der wir alle nur noch in weißen Overalls umherschweben…

 

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Prinzessin Leia ist vor ein paar Tagen gestorben, Major Tom hat seinen Ersten Todestag und Mr. Spock ist schon vor zwei Jahren von uns gegangen. Und so steh ich da also im Jahre 2017, auf mein Einbeinstativ gestützt, eine 35 Jahre alte analoge Spiegelreflex um den Hals, starre gedankenverloren auf diese blöde Litfaßsäule mit dieser völlig deplatziert wirkenden Plakatwerbung und sinniere darüber, wann und wodurch ich um meine kindliche Naivität gebracht worden bin…

 

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Alle Bilder auf Kodak TMAX 400 @ ISO 1600, Kleinbild 35 mm

Ostfriedhof – postdigital…

Ostfriedhof – postdigital…

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Das analoge Fieber hat mich wieder und die Digitale habe ich an den Nagel gehängt…
…kleiner Scherz.
Ich will hier nicht die ewige Diskussion Analog vs. Digital neu entfachen. Immer dieses dogmatische Entweder-oder. Müßig! Wenn man beides gerne macht, also digital und analog fotografiert, ist man dann (Achtung!) dialog unterwegs? Albern, klingt aber wenigstens schon irgendwie sympathischer. Trotzdem albern, dieses ewige In-Kategorien-pressen. Gibt wichtigeres…
Entscheidend ist doch, was gerade zur eigenen Stimmung, zum jeweiligen Anspruch und zum inneren Tempo passt. Und wenn mich gerade das Gepiepe und Gefummle in irgendwelchen Untermenüs und ständiges Akkugelade und diese ganze Plastikästhetik (uäh!) nerven, greife ich ab jetzt wieder verstärkt zur guten alten Spiegelreflex mit dem Filmröllchen drin. Die liegt schwer in der Hand und scheint für die Ewigkeit gebaut. Sollte ich nach der nuklearen Apokalypse noch das Bedürfnis haben Fotos zu schießen, mit ihr ginge das!
>Klock< – >Ritsch<, akustisch wie haptisch ein Hochgenuss und Passanten drehen sich auch wieder nach einem um.
Apropos Filmröllchen: ja, es gibt sie noch und wie mir scheint, haben im Sinne der Marktbereinigung wohl nur die besten Emulsionen überlebt. Ein wahrlich teurer Spass inzwischen, aber zur Drosselung des „Arbeits“tempos (ich vermeide den Begriff »Entschleunigung«) kommt dann halt noch die Konzentration aufs wirklich Wichtige und die einhergehende Selbstbeschränkung hinzu. Keine 64 GigaByte flüchtig konsumierter Schrott, sondern 36 Negative, denen man, wenn alles geklappt hat, eine gänzlich andere Wertschätzung entgegenbringt. Mit Spannung und Vorfreude aufs Ergebnis warten können ist auch so eine Sache, die wir gänzlich zu verlernen scheinen.
Memo an mich: aufpassen, dass ich nicht aus der Zeit falle und zum ewig-gestrigen Schrat mutiere (na gut, die Nacharbeit erledige ich dann ja wieder am Rechner – das Risiko bleibt also überschaubar)!
Drum gilt fürs erste: analysiere, was Dir wirklich wichtig ist und nutze das jeweils Beste zu deinem Vorteil. Maximiere dabei sowohl den Spass- wie auch den Entspannungsfaktor.
Wie dem auch sei, der erste Testfilm nach ich-weiß-nicht-wie-vielen Jahren (fast 30!) war auf jeden Fall eine äußerst spannende Angelegenheit: Lampenfieber vor dem ersten Auslösen, die Vorfreude aufs Ergebnis, dann wieder Lampenfieber vor dem Selbstentwickeln (das wollte ich schon immer mal nachholen, habe ich mich früher nicht drangetraut) und dann das Hochgefühl, dass auf dem entwickelten Film wirklich was zu erkennen ist. Dann heisst es wieder warten bis der Streifen durchgetrocknet ist.
Folter für die LiveView- und Display-Verwöhnten…

Aber nun Bilder:

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Den Ostfriedhof hatte ich mir für diesen ersten Test bewusst gewählt, weil ich mich neben einem unbekannten Medium nicht noch mit einer mir unbekannten Location überfrachten wollte. Im Herzen der Stadt Dortmund gelegen ist er zweifellos einer der schönsten Friedhöfe Deutschlands und gewöhnlicherweise eine Oase der Ruhe (wenn´s nicht gerade Allerheiligen hat). Generell ein sehr inspirierender Flecken, der auch wegen seiner Nähe definitiv zu meinen Lieblingsorten gehört. Hier kenne ich mich gut aus, entdecke aber trotzdem bei jedem Besuch immer wieder etwas neues.

Abspann für die Technixxe:

Datum: 01.01.2017
Location: Ostfriedhof, Dortmund
Kamera: Canon New F1 (Bj. 1983)
bevorzugtes Objektiv: Canon nFD 135mm 1:2,8
Filter: Gelbfilter
Film: Kodak Tmax 400 auf ISO 1000 belichtet (entspricht einer Belichtungskorrektur von +2/3 Blenden für das spätere Pushen auf ISO 1600)
Push-Entwicklung auf ISO 1600 in Kodak Tmax-Entwickler 1:4 (10 Min @ 20°C)

Die Canon T70 – Der Weg zu meiner ersten eigenen Spiegelreflex 

Da die ersten fotografischen Gehversuche mit der alten Voigtländer meiner Eltern wenig vielversprechend waren, ich aber aus unbestimmten Gründen Blut an der Sache geleckt hatte war klar, neues, zeitgemäßes Werkzeug musste her. Dringend!

Zur Erinnerung: ich war zarte 15 und wir befinden uns mitten in den 80ern – einer Dekade also, in der die analoge Kameratechnik die Schwelle zum elektronischen Zeitalter gerade eben überschritten hatte und man Fotokram noch im Neckermannkatalog bestellen konnte. So führten mich meine ersten Recherchen nach neuem Equipment zu Ommas beeindruckenden Stapeln an Versandhauskatalogen. Otto, Quelle, Neckermann hatten wir oben schon erwähnt, aber da gab´s doch noch einen? Baur – genau! Aber der hatte dem angehenden Jungfotoenthusiasten nicht wirklich Interessantes zu bieten,  außer irgendwelcher komischen Gesichtsmassagestäbe für Frauen, konnte mich da nichts wirklich fesseln. Wer brauchte eigentlich so’n Mist? Aber die Damen auf den Bildern sahen irgendwie glücklich aus. Diese Sache, sich ein vibrierendes Stäbchen an die Wange zu halten schien also zu funktionieren. Rätselhaft… egal, ich komm´ vom Kurs ab! Die Kataloge von Omma waren jedenfalls einsame Spitze und ich würde echt `ne Menge dafür geben, nochmal so ein trashiges 80er-Exemplar durchschmökern zu dürfen.

Für den Anfang konnte der Informationsbedarf also schon mal adäquat bedient werden und auch die preislichen Größenordnungen wurden in ein realistisch hartes Licht gesetzt: „Was, so teuer ist das alles??“, „Sindn das für Preise?“ Erste ernstzunehmende Hürden taten sich auf. Relativ erschwinglich waren noch die Geräte von Porst (!), die fand ich aber, ehrlich gesagt, recht uncool. Sexapeal war halt bereits in dieser Lebensphase  schon ein entscheidendes Kaufkriterium. Faszinierender war da schon das, was Canon so im Angebot hatte: die AE1-Programm zum Beispiel. An ihr gefiel mir besonders der kleine neongrüne Schriftzug – voll modern irgendwie. War die schwarze Version damals nicht teurer als die Silberne?  Warum eigentlich?  Tja, und dann natürlich der Platzhirsch, die A1. Mit der wäre man Chef gewesen. Die konnte irgendwie alles, von dem ich damals keine Ahnung hatte. Blende und Zeit wurden in roten digitalen Lettern ins Display eingeblendet. Das war definitiv the-wave-to-the-future (wir hatten zu dieser Zeit noch ein Drehscheibentelefon…)

Noch ein weiteres Kameramodell schob sich in den Fokus, die Canon T 50, aber irgendwas an ihr war merkwürdig. Die konnte offensichtlich gar nichts, jedoch wirkte ihr äußeres Erscheinen wie der Vorbote einer neuen, verheißungsvollen Ära. Der Film musste bei ihr nicht mehr von Hand weitergespult werden, alles wurde automatisch geregelt und das Colani-Design wirkte für damalige Verhältnisse sehr progressiv und ihrer Zeit voraus. Da war also etwas im Busch, was man unbedingt im Auge behalten musste!

Fast 1 1/2 Jahre hab ich dann auch nichts anderes gemacht, als die Sache irgendwie im Auge zu behalten. Was blieb einem ohne Kohle auch sonst übrig? Die Nase an den Schaufenstern der großen Fotohändler plattdrücken und die dort erbeuteten Prospekte wälzen, um sich ein wenig mit den großen Namen vertraut zu machen: Canon, Nikon, Olympus und damals auch noch Minolta, Pentax oder Ricoh. Die Prospekte konnte ich irgendwann auswendig. Mehr ging also damals nicht? Doch natürlich: jede einzelne D-Mark sparen, die durch Taschengeld, Geburtstags- und Weihnachtspräsente eingenommen wurde! Fast 1 1/2 Jahre habe ich jede einzelne Mark zurückgelegt für den Tag X. So einen langen Atem hätte ich wohl heute nicht mehr. Dann noch ein allerletzter (erfolgreicher) Anpumpversuch bei die Omma und ohne Wissen meiner Eltern ging es dann mit der S-Bahn nach Dortmund, dorthin also, wo die großen Läden waren. Hagen hatte dahingehend nicht viel zu bieten, bzw. alles war im Schnitt 50 bis 100 DM teurer als in der großen, fotoaffinen Nachbarstadt.

750 sauer ersparte D-Mark schlummerten da in einem Standardumschlag in meiner Jackentasche und ich war der festen Überzeugung, dass mir der „Reichtum“ von der Stirne abzulesen sei. Doch alles ging gut und der Entschluss stand fest: es wird die Canon A1!

Am Ende eines langen und aufregenden Shoppingtages kehrte ich dann um knapp 700 Mark erleichtert aber stolz wie Bolle zurück mit einer – na? Richtig! Einer funkelnagelneuen Canon T70 mit dem 50mm 1:1,8! Die Reaktion meiner Eltern schwankte zwischen fassungslos bis stinksauer wegen der vielen Kohle, ich dagegen spürte schon damals, dass ich mir da mit der Fotografie einen Virus eingefangen hatte, der mich lange nicht mehr loslassen würde. So gesehen war es für mich eine gute Investition in die Zukunft (Anm. d. Autors: am Ende habe ich Recht behalten)

 

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Die neue Alte! Zurück bei Papi…

 

Der Verkaufsexperte bei Doppheide und Kollow hatte mich ziemlich schnell davon überzeugen können, dass die A1 ja schon Schnee von gestern sei und ich doch lieber in etwas Zukunftssicheres investieren sollte. Was dann 3, 4 Jahre später aus dem guten, alten FD-Bajonett geworden ist, ist hinlänglich bekannt. Zukunftssicherheit hin oder her, beim ersten in die Handnehmen war´s schon um mich geschehen. Das Design der T70 hat schon immer polarisiert und viele fanden sie geradezu abgrundtief hässlich. Sie hat ihren ganz eigenen starken Charakter und ich fand sie immer traumschön. Es war definitiv Liebe auf den ersten Blick und sie wich mir viele Jahre nicht mehr von der Seite. Im ollen BW-Rucksack hat sie mit mir Europa bereist und wegen ihres gräßlich lauten Auslösegeräusches sind wir unter Zeter und Mordio aus dem Dom von Siena geflogen. Dabei hat sie mich wirklich nie im Stich gelassen und irgendwann war sie – weg! Der digitalen Euphorie zum Opfer gefallen. Es gibt so manche Entscheidungen, die…ach, egal jetzt!

Als ich kürzlich bei Ebay auf ein Angebot über eine unbenutzte, originalverpackte T70 mit dem gleichen 50er Objektiv stieß, konnte ich nicht widerstehen, ich musste einfach zuschlagen. Möglich, dass da eine gehörige Portion an schlechtem Gewissen mit im Spiel war… (Anm. d. Autors: meine bessere Hälfte tippt schwer auf Midlifecrisis)

Jetzt ist sie wieder bei mir und dieses Mal bleiben wir zusammen! Das Wiedersehen hatte was ganz eigenartiges…

… und ein Farbfilm ist auch schon eingelegt.